Welthandel Chinas Exporte ziehen an – Weiter Streit mit EU und USA
Chinas Exportmotor läuft trotz Kritik von Handelspartnern unaufhörlich weiter. Auch der Handel mit Deutschland unterstreicht die Probleme. Nun richtet sich der Blick auf ein mögliches Treffen.
Chinas Exporte haben im August weiter zugelegt. Wie die Zollbehörde in Peking mitteilte, stiegen die Ausfuhren der Volksrepublik im August gegenüber demselben Vorjahresmonat in US-Dollar berechnet um 25 Prozent und damit noch einmal deutlicher als im Juli (23,9 Prozent). Auch die Importe legten kräftig zu und kamen im August auf ein Plus von 28,2 Prozent. Damit trafen die Exporte ungefähr die Erwartungen von Analysten. Lediglich die Importe fielen etwas geringer aus. Chinas Handelsüberschuss weitet sich damit im Jahresverlauf seit Januar zusammengerechnet auf 805,5 Milliarden US-Dollar (derzeit etwa 693,6 Milliarden Euro) aus. 2025 hatte China einen Rekordüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar erreicht.
Chinas Handel profitiert unter anderem vom Ausbau im Bereich Künstlicher Intelligenz, für den in aller Welt viele Komponenten wie Halbleiter benötigt werden. Außerdem exportiert China immer mehr Fahrzeuge ins Ausland, auch weil der Schwung auf dem heimischen Automarkt nachlässt. Mit Exporten treibt China seinen Wirtschaftsmotor mit an, weil die Nachfrage im Inland anhaltend schwach ist. Das liegt mitunter an einer hohen Jugendarbeitslosigkeit und schwachem Vertrauen unter den Konsumenten.
Wie der Handel mit Deutschland verlief
Chinas schwache Nachfrage ist auch für deutsche Firmen ein Problem. „Was Unternehmen nach wie vor benötigen, ist eine kräftig anziehende Binnennachfrage“, sagte der Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Nordchina, Oliver Oehms. Diese müsse über die industriepolitischen Schwerpunktbereiche Chinas hinaus in der Breite der Wirtschaft spürbar werden, erklärte er.
Im Handel mit Deutschland exportierte China im August gegenüber demselben Vorjahresmonat 9,8 Prozent mehr in die Bundesrepublik. Die Importe aus Deutschland sanken dagegen um 9,7 Prozent.
Reist Xi in die USA?
Chinas jüngste Außenhandelsdaten kommen wenige Wochen vor einem anberaumten Treffen zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump. Der Republikaner hatte Xi im Mai während seiner Peking-Reise für den 24. September ins Weiße Haus eingeladen. China bestätigte den Besuch bislang nicht. Der Handelsstreit beider Seiten dürfte bei dem Treffen im Mittelpunkt stehen.
Im August stiegen Chinas Exporte in die Vereinigten Staaten im Vorjahresvergleich um 34,4 Prozent. Die Importe aus den USA legten um 17,8 Prozent zu. Washington kritisiert schon länger das Ungleichgewicht im Handel mit China und fordert von Peking, die Nachfrage im Inland anzukurbeln. Derzeit herrscht zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt noch eine Pause im Zollstreit, die ohne eine Verlängerung im November auslaufen würde.
Ärger bei G20-Treffen
Zuletzt wurde der Ton im Handelskonflikt rauer. Beim Treffen der G20-Finanzminister in der US-Stadt Asheville beschuldigte US-Finanzminister Scott Bessent China, eine gemeinsame Erklärung blockiert zu haben. Stattdessen veröffentlichten die USA als Vorsitzland eine Mitteilung. Darin stand auch, dass China mehreren Punkten nicht zugestimmt habe. Einer richtete sich an Länder „mit übermäßigen und anhaltenden Außenhandelsüberschüssen“, die „Verzerrungen„ beseitigen sollten.
Chinas Handelsministerium wies die Darstellung zurück und warf den USA vor, damit Protektionismus voranzutreiben und Vorwände für Beschränkungen gegen China zu schaffen. Peking betont immer wieder, nicht bewusst einen Handelsüberschuss zu erzielen, sondern verweist darauf, dass das Exportwachstum auf Innovation und der Nachfrage anderer Länder wie im Bereich grüne Transformation beruhe.
Streit auch mit Brüssel
Die USA zählten einst zu den wichtigsten Absatzmärkten Chinas. Seit dem Zollstreit verschifft die Volksrepublik ihre Waren verstärkt in andere Märkte. Das zeigten auch die August-Daten des Zolls, die im Vorjahresvergleich hohe Exportzuwächse nach Afrika (30,9 Prozent) und Südostasien (30,2 Prozent) auswiesen.
Auch Europa ist seit längerem ein wichtiger Zielmarkt. Chinas Exporte dorthin wuchsen im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,6 Prozent. Die Importe aus der EU erreichten dagegen nur ein schwaches Plus von 0,7 Prozent. Auch Brüssel fordert schon länger von China, die Schieflage im beiderseitigen Handelsverhältnis zu korrigieren. Seit Ende Juni verhandelt die EU mit Peking über Lösungen. Bis Oktober sollen konkrete Ergebnisse auf dem Tisch liegen.
Ob weitere Zölle auf Importe aus China folgen, ist unklar. Die EU führte bereits Zusatzaufschläge auf in China gefertigte Elektroautos ein. Chinesische Hersteller sichern sich dennoch nach und nach Marktanteile in Europa. Gerade in der für Deutschland wichtigen Automobilindustrie ist der Konkurrenzdruck spürbar.