Lesermeinung VW | Demokratie | Bahnhof

| 11.09.2026 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
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Bei der OZ reden die Leserinnen und Leser mit. Hier haben wir Leserbriefe der vergangenen Zeit gesammelt.

Fette Jahre sind vorbei

Natürlich ist die Angst der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze verständlich. Andererseits ist Planungssicherheit heute dank unsteter Politik und der allgemeinen Lage kaum noch vorhanden. Das betrifft auch Arbeitgeber, deren Rahmenbedingungen sich durch immer neue zum Teil ideologisch motivierte Gesetze und manch unsinnige EU-Vorschrift ständig ändern, ganz abgesehen von den Energiepreisen. Fakt ist, dass VW ein Weltkonzern ist und mit den Bedingungen in anderen Ländern mithalten muss. In chinesischen Autowerken sind jeweils nur noch wenige Hundert Menschen tätig, deren Aufgabe im wesentlichen die Überwachung der fast ausschließlich durch Automaten durchgeführte Produktion ist. Das steht in Deutschland auch bevor. VW-Beschäftigte haben über Jahrzehnte hinweg exorbitant hohe Löhne erhalten und weitere Privilegien genossen, die in der freien Wirtschaft undenkbar waren. Die „fetten Jahre“ sind nun vorbei, da hilft auch noch so lauter Protest nichts.

Andreas Vogt

Krummhörn

Demokratie unter Druck

Denk ich an Deutschland in der Nacht…Wie weit ist es inzwischen mit unserer eigentlich doch so stabilen Demokratie gekommen? Trotz großmundiger Ankündigungen des jetzigen Kanzlers und seiner Koalition, bleibt der große Wurf aus, es knirscht allenthalben. Das Auseinanderdriften der ungleichen Partner und das ewige Geplänkel untereinander unterscheidet sich in der Tat überhaupt nicht von der geschassten Ampelkoalition, die man sich zur Zeit häufiger wieder zurückwünscht. Dabei ist gerade vor den kommenden Schicksalswahlen, unter anderem in Sachsen-Anhalt, Führungsstärke angesagt, die überhaupt nicht zu sehen ist und die eine der Hauptursachen für das Erstarken der AfD sein wird! Es ist kaum zu glauben, dass eine rechtsextreme Partei in Deutschland einen solchen Zulauf hat. Wie kann man einer solchen Partei vertrauen, die ganz offensichtlich alle unsere Grundwerte negiert? Die Schutzsuchende zu Verbrechern stilisiert, die schleunigst ausgewiesen werden müssen, egal ob sie straffällig geworden sind oder nicht. Hat denn keiner dieser Leute (und ebenso bestimmte Angehörige anderer Parteien) den Schuss nicht gehört?? Wir brauchen diese zu uns gekommenen Menschen so dringend, weil wir sonst ohne sie unser Gemeinwohl auf Dauer nicht mehr aufrecht erhalten können! Anstatt sie wieder wegzuschicken, sollte man sie als willkommene Bereicherung betrachten, die uns in der Regel nur guttut und man sollte endlich dafür Sorge tragen, dass diese Menschen sofort in den Arbeitsprozess eingebunden werden. Natürlich müssen sie sich auch einordnen wollen und unsere Gesetze achten. Wer das nicht will und womöglich straffällig wird, der hat in unserem Gemeinwohl nichts zu suchen und muss wieder zurück in sein Herkunftsland. Wer den Klimawandel abstreitet und auf fossile Brennstoffe nach wie vor baut, wer putinhörig ist, wer die Zeit des Nationalsozialismus als „Vogelschiss der Geschichte“ verniedlicht, gehört zu den ewig gestrigen und darf wahrlich nicht über das Schicksal kommender Generationen mitentscheiden!

Harm-Jürgen Koch

Uplengen

Bahnhof ohne Anschluss

Ostfriesland hat einen neuen Bahnhof! Hurra! Leider nicht zu erreichen mit dem ÖPNV. Für die Gemeinden Schirum, Ostersander, Westgroßefehn, Timmel wäre es eine ideale Verbindung zur DB. Doch leider ist hier der ÖPNV gestorben. Was nützt ein D-Ticket, wenn ich keinen Zug erreiche. Wahrscheinlich wurden in Neermoor wieder Millionen von Steuergeldern verschwendet, für einen Bahnhof, den man nicht getaktet erreichen kann. Ein Dank an alle Planer. Setzt euch mal samstags um 16 Uhr an die Bushalte in Timmel. Mal schauen, welchen Zug ihr dann in Neermoor bekommt.

Ralf Rammelmann

Aurich

Keine sachgerechte Verwendung

„Es fehlen die Mittel. Es fehlt das Geld.“ Das stimmt ja wohl so nicht. Das reichlich vorhandene Geld wird lediglich nicht sachgerecht verwendet. Warum müssen denn die Beitragszahler z.B. den Bund jährlich mit mehr als 10 Milliarden Euro unterstützen für die Finanzierung von Bürgergeldempfängern? Warum werden Forschung oder die Digitalisierung des Gesundheitswesens aus Beitragsgeldern finanziert? Das kann doch den Versicherten und Dienstleistern im Gesundheitswesen keiner mehr plausibel erklären. Wer dann noch das deutsche Steuergeld in der ganzen Welt für Kriege, Radwege sowie Gender- und Gleichstellungsprojekte verteilt, statt im eigenen Land, muss sich nicht wundern, dass die Bevölkerung die aktuellen Geschehnisse zunehmend verständnislos und kopfschüttelnd betrachtet.

Dr. med. Susanne Modemann

Norden

Krummhörn will wachsen

Die Werbebroschüren der einzelnen Parteien lesen sich wie Bilderbücher. Woran scheitert es denn, dass keine jungen Leute mehr hier wohnen? Die schönste Schule Europas wird geschlossen, in der südlichen Krummhörn kein Arzt, keine Einkaufsmöglichkeit. Ein Mehrgenerationenhaus war mal in Planung hier – leider gescheitert an den Auflagen. Wer kann sich den Unterhalt eines Gulfhofes denn noch leisten? Bei den steigenden Kosten, und den Denkmalschutz hat man auch im Boot. Somit kommen nur Investoren in Betracht und die vermarkten sie dann zu Ferienwohnungen. Dadurch stirbt ein Dorf, was will man da denn gegenhalten? Bringt der neue Marinehafen denn so viel für die Krummhörn? Viele Fragen – und wovon soll es denn bezahlt werden? Manchmal steht man sich auch selber im Weg. Ich mag vielleicht mit meiner Meinung allein stehen, aber der 13. September: da hab ich ein Fragezeichen stehen.

Gerd Uken

Rysum

AfD ist antidemokratisch

Michael Dreyer hat recht mit der Feststellung, dass die Bedingungen in der Weimarer Republik mit den heutigen nicht vergleichbar sind. Er hat nicht recht, wenn er auf die Frage, ob die AfD eine antidemokratische Partei sei, mit einem klaren „Nein“ antwortet. Seine Schlussfolgerung, dass die Defizite der AfD nicht im Bereich der Demokratie, sondern im Bereich des Liberalismus liegen, kann ich nicht nachvollziehen. Mit seiner Einschätzung reduziert er den Demokratie-Begriff formal auf das Wahlrecht. Zur freiheitlich-liberalen Demokratie, wie wir sie in Deutschland haben und wie sie in unserem Grundgesetz verankert ist, gehört essentiell der Schutz der Menschenrechte. Die rassistischen Ansichten in der AfD sind damit nicht vereinbar. Und deshalb ist die AfD eine antidemokratische Partei. Sie stellt eine Gefahr für die Demokratie dar und muss deshalb weiter bekämpft werden.

Volker Kähler

Emden

Nie wieder Faschismus

Nie wieder Faschismus. Nie wieder – niemals! In Sachsen-Anhalt fiel gestern die Wahl, die AfD gewann – ein bitteres Signal. Rechtsextreme Kräfte stehen bald an der Macht, der braune Sumpf ist wieder aufgewacht. Ein erschreckendes Zeichen für die Demokratie, die Freiheit und Menschlichkeit – verlieren wir sie nie. Wir kennen die Schrecken, wir kennen die Not: Naziherrschaft, Verfolgung, millionenfacher Tod. Die Geschichte darf sich niemals wiederholen, kein Hass darf erneut unsere Freiheit holen. Darum heißt es heute, entschlossen und klar: Nie wieder Faschismus. Nie wieder – niemals!

Ingrid Ihben

Moormerland

Krankenkassen sollten behandeln

Der OZ-Artikel „Abnehmpille von der Kasse?“ hat bei mir vor allem eine Frage hinterlassen: Mit welchem Maßstab entscheiden wir eigentlich, welche Krankheit behandelt werden darf? Schon die Bezeichnung „Wampen“ für Menschen mit Adipositas empfinde ich als respektlos. Wir sprechen hier nicht über ein Schönheitsproblem, sondern über eine Erkrankung mit erheblichen gesundheitlichen Folgen. Die im Artikel genannte Abnehmpille kostet 277,60 Euro im Monat, also rund 3.331 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Die jährlichen Gesundheitskosten eines Menschen in opioidgestützter Substitution werden mit durchschnittlich rund 7.470 Euro angegeben. Bei Methadon sind es etwa 7.090 Euro. Natürlich soll niemand einem suchtkranken Menschen notwendige Hilfe verweigern. Aber warum wird diese Behandlung selbstverständlich finanziert, während bei Adipositas über die Kosten diskutiert und Betroffenen nicht selten mangelnde Disziplin vorgeworfen wird? Im Artikel stehen zudem 45 Milliarden Euro mögliche Medikamentenkosten rund 63 Milliarden Euro Folgekosten der Adipositas gegenüber. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, sollten aber eine Frage aufwerfen: Was kostet es uns, wenn wir nicht behandeln? Eine Krankheit sollte nicht danach beurteilt werden, ob wir glauben, dass jemand selbst daran schuld ist. Krankenkassen sollten Krankheiten behandeln – nicht Menschen für ihre Krankheit verurteilen.

Silvia de Vries

Holtland

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