Lesermeinung Ärzte | AfD | Ostfriesland
Bei der OZ reden die Leserinnen und Leser mit. Hier haben wir Leserbriefe der vergangenen Zeit gesammelt.
Träumt weiter
In mehr als 20 Jahren lag die „Erhöhung“ der Vergütung ärztlicher Leistungen ein einziges Mal nicht unter der Inflation. So kommt es, dass dieselbe Leistung heute die Hälfte bringt als noch 2013. Für andere Leistungen werden noch gruseligere Vergütungen gezahlt; so wird für die Jugendarbeitsschutzuntersuchung noch genau dasselbe Geld gezahlt wie 1978 (damals D-Mark, kostenneutral in Euro umgerechnet). Und das neue Spargesetz von Frau Warken setzt dem die Krone auf: strenge Begrenzung aller Leistungen und gesetzliche Festlegung eines zukünftigen Einkommensverlustes von mindestens 1% jährlich. Dies führt dazu, dass wir vor 2 Wochen die Patientenzahl erreicht hatten, die wir nach dem 1.1.27 vergütet bekommen. Alle „Kassenärzte“ arbeiten an Konzepten, wie wir unsere Praxen angesichts der einbrechenden Erlöse durch Einsparungen retten können. Nicht nur die Emder Haus- und Fachärzte überlegen, ihre Praxen nur noch 4 Tage/Woche zu öffnen. Dann werden diese immer selteneren Termine noch durch „Krankschreibung ab Tag 1“ oder „verpflichtende Drittmeinung“ weiter ausgedünnt. Wir werden in unserer Praxis mit Sicherheit nicht mehr alle Kinder mit Vorsorgen und Impfungen versorgen können. Unter solchen Bedingungen eine zusätzliche Vorsorge zu fantasieren, mag in einem Paralleluniversum möglich sein, in dieser Welt: an Absurdität nicht zu überbieten! Träumt weiter!
Götz Gnielka
Emden
AfD fehlen Kandidaten
Beginnend ist anzumerken, dass das meines Erachtens nicht unbedingt ein großer Schaden für die hiesige Kommunalverwaltung ist, wenn nicht noch mehr rechtes Gedankengut in die Parlamente kommt. Was jedoch extrem auffällig bei der AfD ist, dass, wenn es um die Verteilung der Listenplätze für relativ gut dotierte Mandate in Land - und Bundestag geht, bis aufs Blut gefochten und intrigiert wird, bei der Besetzung der Mandate in den Kommunalparlamenten offensichtlich kein großes Interesse besteht. Könnte das damit zusammenhängen, dass es dort wenig Geld und viel Arbeit gibt?
Manfred Ommer
Jemgum
Das ist Verharmlosung
Auf der Leute-Seite vom 9.9.26 einen Lifestyle Artikel über Ulrich Siegmund und seiner Frau zu bringen, macht die gesichert rechtsextreme Partei aus Sachsen-Anhalt salonfähig. Dieser Artikel trägt zur Normalisierung einer Partei bei, die mit ihren Hass die Gesellschaft spaltet, der Demokratie schadet, sich nur in die eigene Tasche bereichert und der wirtschaftliche Niedergang für das Land sein wird. Auch wenn zum Ende des Artikels ein wenig Hintergrund beleuchtet wird, bekommen die Leser und Leserinnen einen oberflächlichen Blick auf Klatsch und Tratsch. Ein hübsches Bild dazu und schon ist rechtsextrem gar nicht mehr so schlimm. Das ist Verharmlosung der rechtsextremistischen, populistischen Partei. So trägt eine Zeitung dazu bei, dass diese Partei an Macht gewinnt und uns, der Gesellschaft, einen großen Schaden zufügt.
Brigitte Schrage
Hannover
Ostfrieslands Zukunft
Ostfriesland schaut mit Sorge auf die Zukunft von VW in Emden. Niemand weiß, wie sich das Unternehmen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. Thyssen-Henschel und Siemens hatten damals die Entwicklung der Magnetschwebetechnik beendet. Wir müssen über Arbeitsplätze in neuen Zukunftstechnologien nachdenken. Ein Blick nach Bayern könnte uns dabei Mut machen. Bayern war früher ebenfalls stark landwirtschaftlich geprägt. Durch Weitsicht und die Ansiedlung von Hochtechnologie entstand eine wirtschaftlich starke Region. Warum sollte das nicht auch in Ostfriesland möglich sein? Zwei Beispiele könnten die Fusionsenergie und das photonische Computing sein. Europaweit wird intensiv an Fusionsenergie geforscht. Versuchsreaktoren sind im Bau. Vielleicht wird die Fusion eines Tages der wichtigste Energielieferant. In Jülich wird an Photonenchips geforscht und Firmen in Stuttgart setzen das um. Warum sollten unsere Landräte und Bürgermeister nicht schon heute den Kontakt zu Forschern und Unternehmen suchen? Unser Wasser, unsere Flächen und unsere Energie könnten dabei Standortvorteile sein. Ich wünsche mir, dass unsere gut ausgebildeten jungen Menschen künftig hier mehr gute Arbeitsplätze finden und ihren Lebensmittelpunkt in Ostfriesland behalten können. Schauen wir deshalb nicht nur auf VW. Schauen wir nach vorn und holen wir Zukunftstechnologien nach Ostfriesland. Vielleicht kann unser Nordwesten eines Tages „Bayern 2.0“ werden.
Wilfried Stolzenberg
Ostrhauderfehn
Verdrehung der Wirklichkeit
Michael von der Schulenburg, auf dem Ticket des BSW im Europaparlament, pocht auf die Einhaltung der UN-Charta – völlig zu Recht. Während er aber die manifesten Völkerrechtsbrüche Putins und Trumps mit keinem Wort erwähnt, bezichtigt er dessen die EU. Eine groteske Verdrehung der Wirklichkeit! Schulenburg garniert seine schrägen Thesen mit offenkundigen Falschbehauptungen: Putin habe gar keine territorialen Interessen. Ach! Und warum verkündet Russland dann 2022 völkerrechtswidrig die Annexion von vier ostukrainischen Regionen? Zudem: Schulenburg erfindet eine Resolution der EU, die eine „Zerschlagung Russlands nach dem Vorbild Jugoslawiens“ fordere. Eine solche Resolution gibt es nicht. Schließlich müsste Schulenburg sich in seiner „Analyse“ der militärischen Lage schon entscheiden: Wenn die Ukraine tatsächlich unmittelbar vor dem Zusammenbruch steht, würde der „rationale“ Kriegsverbrecher Putin doch niemals einen Atomschlag riskieren. Schulenburg erliegt der russischen Propaganda und fördert darin den Schulterschluss von AFD und BSW.
Martin Heimbucher
Leer
Protest gegen Kahlschlag
Ich begrüße den Aufruf der IG-Metall zu einem Aktionstag aller Automobilbeschäftigten am 21. September mit dem Motto: „Zukunft statt Kahlschlag!“. Denn mit dem einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrats vom 3.6.26 sind die Pläne zur Schließung von Emden und drei weiterer Werke und die Vernichtung von ca. 100.00 Arbeitsplätzen nicht vom Tisch! Ich erinnere mich an den ersten Warnstreik im Dezember 2024, als der VK-Leiter Hasenpusch sagte: „Zuerst kommt die Angst, dann die Wut und dann die Solidarität!“. Er sei nur deshalb heute noch bei VW beschäftigt, weil 1997 VW-Kollegen die Arbeit niederlegten, zur A 31 marschierten und sie blockierten, damit die Kollegen mit Zeitverträgen (evtl. waren es auch die Azubis) übernommen werden – als Kampfansage gegen den Beschluss der Geschäftsleitung. Und sie setzten sich durch, sonst könnte er heute kein VK-Leiter bei VW sein! Es ist an der Zeit, solche Kampfansagen zu wiederholen, wo es doch um noch viel mehr Beschäftigte und ihre Familien geht! Es ist eine alte Erfahrung aus der Arbeiterbewegung: Wer kämpft, bekommt Solidarität – und ich füge hinzu: Wer nicht kämpft, bekommt Mitleid! Und: „Wer kämpft, kann gewinnen oder verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ (Bert Brecht). Wenn das Werk geschlossen wird, verliert nicht nur die Belegschaft, sondern ganz Ostfriesland! Also: Alle für alle! Ich wünsche der Belegschaft viel Erfolg! Ich frage mich aber, warum plant die IG-Metall Emden lediglich eine ordentliche Betriebsversammlung im (!) VW-Werk an einem bundesweiten Aktionstag, zu dem der Bundesvorstand im IG-Metall-Magazin schreibt: „Alle Beschäftigten in allen Schichten, ob Hersteller oder Zulieferer, sind aufgerufen, sich am großen bundesweiten Aktionstag zu beteiligen.“ (metall Magazin 5/26, S. 9).
Ingrid Lettmann
Krummhörn
Wir sind entsetzt
Unsere Stimme gegen das Wegsehen. Das ist unsere ganz persönliche Haltung nach dem Wahlergebnis in Ostfriesland. Wir sind entsetzt. Fast jeder Fünfte im Rheiderland und fast jeder Vierte in Ostfriesland hat AfD gewählt. Das macht uns betroffen – gerade weil wir hier leben, unsere Nachbarn kennen und diese Region als offen, menschlich und solidarisch erleben. Wir wissen, dass nicht jeder AfD-Wähler aus denselben Gründen gewählt hat. Aber wir möchten klar sagen: Rechtes Gedankengut, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus verurteilen wir zutiefst. Noch fehlt der AfD vielerorts das Personal, um ihre Wahlerfolge auch politisch umzusetzen. Das darf uns aber nicht beruhigen. In einem Jahr sind Landtagswahlen. Stand heute muss die AfD nur noch Menschen finden, die seriöser auftreten und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Dann kann aus Wahlergebnissen schnell politische Macht werden. Dabei denken wir auch an die 1980er-Jahre zurück. Damals wurde bei Beamten sehr genau auf Verfassungstreue geachtet. Heute erleben wir politische Entwicklungen, bei denen wir uns fragen: Haben sich unsere Maßstäbe verändert? Die AfD hat in nur rund zehn Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Für uns ist das kein Grund, wegzusehen. Es ist ein Weckruf. Wir möchten nicht irgendwann sagen: Wir haben es doch kommen sehen. Deshalb fragen wir: Wie viel von 1933 muss eigentlich noch passieren, bevor wir aufhören, die Warnsignale zu relativieren? Nicht irgendwann. Nicht morgen. Jetzt!
Elke Broek und Matthias Skowera
Weener
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