Sportpolitik DOSB-Präsident Weikert verzichtet auf erneute Kandidatur
Seit fast fünf Jahren steht Thomas Weikert an der Spitze des organisierten Sports in Deutschland. Nun hat der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds eine Entscheidung über seine Zukunft getroffen.
Thomas Weikert wird bei der Wahl zum Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Das teilte der 64-Jährige gut zwei Monate vor dem Votum auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Frankfurt am Main mit.
„Ich spüre, dass ich nicht mehr die Kraft aufbringen kann, mich noch einmal vier Jahre mit Vollgas - und nichts anderes hätte der DOSB verdient - den Aufgaben eines Präsidenten zu widmen“, erklärte Weikert in einem Brief auf der Internetseite des Dachverbands.
Er habe den hohen Arbeitsaufwand, der mit dem Amt verbunden sei, vorab nicht einschätzen können. „Die Belastung habe ich als enorm empfunden, und ich kann sie mir, auch mit Blick auf meine Familie, nicht weitere vier Jahre zumuten“, ließ Weikert wissen. In den Landessportbünden und Spitzenverbänden hatte es zuletzt wachsenden Widerstand gegen Weikert gegeben. Dies habe bei seiner Entscheidung keine Rolle gespielt, versicherte er.
Seit fast fünf Jahren an der Spitze des deutschen Sports
Der frühere Tischtennis-Weltpräsident steht seit Dezember 2021 als Nachfolger von Alfons Hörmann an der Spitze des Dachverbands, dessen angeschlossene Organisationen mehr als 29 Millionen Mitglieder zählen. Weikert setzte sich bei vorgezogenen Neuwahlen vor fünf Jahren gegen die Ex-Fechterin Claudia Bokel durch. Ein Jahr später stellte sich Weikert für eine vierjährige Amtszeit erneut zur Wahl - ohne Gegenkandidaten wurde er im Amt bestätigt.
Noch ist offen, wer Nachfolger von Weikert werden möchte. Bislang sind keine Bewerber bekannt. Eine vom deutschen Sport eingerichtete Findungskommission soll mögliche Kandidaten herausfiltern. Mitgliedsorganisationen des DOSB können Vorschläge einreichen. Die Antragsfrist endet am 30. Oktober.
Sportfunktionär Mronz mit Ambitionen?
Als Weikert-Nachfolger gehandelt wird DOSB-Präsidiumsmitglied und IOC-Mitglied Michael Mronz. Vor einigen Tagen im ZDF-„Sportstudio“ wich Mronz der Frage nach einer möglichen Kandidatur noch aus. „Ich denke, die erste Frage ist, wie Thomas Weikert sich entscheidet und danach wird die Findungskommission die Gespräche führen und zu einem Ergebnis kommen. Das wird man sehen, was deren Vorschlag ist“, hatte der 59-Jährige gesagt.
Erfahrung im Topsport bringt Mronz als Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH mit. In dieser Rolle hat er das Ansehen des Pferdesport-Großevents CHIO gesteigert. Zudem war er Mitbegründer der Initiative Rhein-Ruhr, die eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 angestrebt hatte. Daraus wurde aber nichts, weil sich das Internationale Olympische Komitee früher als erwartet auf das australische Brisbane als bevorzugten Kandidaten festlegte.
Als mögliche Alternative zu Mronz wird Martin Engelhardt, Präsident der Deutschen Triathlon-Union, genannt. Der 66-Jährige hatte bereits 2018 für den DOSB-Chefposten kandidiert, unterlag damals aber klar gegen Hörmann.