101. Bundesliga-Rheinderby Gladbach-Fans randalieren bei Kölner Sieg im Rheinderby
Das Trainerdebüt von Gladbachs Alexander Blessin geht im Rheinderby daneben. Beim Kölner 2:1-Sieg präsentieren sich einige Gästefans noch schlechter als die Profis auf dem Rasen.
Die FC-Fans feierten ausgelassen und befreit ihre „Derbysieger“, den enttäuschenden Gladbacher Profis hallten aus dem eigenen Fanblock entsetzte „Absteiger“-Rufe entgegen. Zuvor hatten sich die Anhänger von Borussia Mönchengladbach beim 1:2 (1:1) im Rheinderby beim 1. FC Köln noch katastrophaler als die Spieler auf dem Rasen aufgeführt.
„Enttäuschung - zu Recht“, sei ihm aus der Fankurve entgegengeschlagen, sagte Gladbachs Robin Hack bei DAZN. „Die Fans haben jetzt nach fünf Spielen immer noch keinen Punkt - genauso wie wir natürlich auch, weil wir zusammengehören“, erklärte Sportchef Rouven Schröder. Er habe aggressive Gesichter gesehen. „Es ist vollkommen klar, dass da absolute Frustration da ist. Das Derby bedeutet für die Fans alles, für uns auch. Von daher war es für alle sehr, sehr schmerzhaft“, meinte er.
Mönchengladbach bleibt punktlos
Treffer von Isak Johannesson (26. Minute) und Fan-Liebling Saïd El Mala (67.) für den 1. FC Köln sorgten am 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga beim 2:1 (1:1) bei Trainer René Wagner für Erleichterung. Der 38-Jährige war zuvor in die Kritik geraten, sitzt mit nun sieben Punkten aus fünf Spielen aber wieder sicherer im Sattel. „Am Ende sind wir brutal froh, heute 2:1 gewonnen zu haben. Das war ein wichtiger Sieg für uns“, sagte Wagner.
Dagegen ging das Debüt von Alexander Blessin als Borussia-Coach daneben. Die Borussia bleibt auch unter Blessin punktlos Tabellenletzter. Mit fünf Niederlagen waren die Gladbacher zuletzt vor elf Jahren in eine Bundesliga-Saison gestartet. Damals erreichte die Elf vom Niederrhein noch Rang vier. Dies scheint in der aktuellen Verfassung und Konstellation undenkbar. Der Treffer von Joe Scally (39.) war zu wenig für die erneut kaum bundesligareifen Borussen.
Gladbach-Fans randalieren im Block
Noch schlimmer präsentierten sich einige Gladbacher Fans, die nach El Malas Treffer im Gästeblock randalierten und teilweise Leuchtraketen in die Kölner Zuschauerränge schossen. Plexiglas-Trennscheiben wurden zerstört. Das Spiel wurde daraufhin für wenige Minuten unterbrochen. „Das gehört nicht ins Stadion“, betonte Schröder. „Das hat uns alle auch erschrocken. Nicht umsonst wird ein Spiel ja auch entsprechend unterbrochen. Das will gar keiner sehen.“ Das werde aufgearbeitet, kündigte er an.
Bitter für den FC war trotz des Sieges der Ausfall von Ellyes Skhiri kurz vor der Pause. Nach dem Kreuzbandriss von Leih-Stürmer Thijs Dallinga droht der nächste lange Ausfall. Skhiri wurde nach einem unglücklichen Zweikampf mit Gladbachs Florian Neuhaus ins Krankenhaus gebracht.
Der Druck, der auf beiden Teams lastete, war von Beginn an zu spüren. Fußball wurde mehr gearbeitet als gespielt und auf beiden Seiten gab es etliche technische und Defensiv-Mängel. Die Verunsicherung war groß. Bei Borussen und Kölnern boten sich schier unfassbare Räume, die kaum auf Bundesliga-Niveau bespielt wurden.
Viel Kampf, wenig Klasse im Spiel
Blessin versuchte es bei seinem Debüt wieder mit einer Dreier-Abwehrkette, die unter dem nach drei Spieltagen beurlaubten Eugen Polanski zum Saisonstart abgeschafft worden war. Für den kurzfristig ausgefallenen Ko Itakura rückte dessen japanischer Landsmann Daiki Hashioka in die Startelf. Zudem fehlte erneut Kapitän Tim Kleindienst.
Bei Johannessons wunderschönem Schuss in den Winkel war Gladbach-Keeper Moritz Nicolas chancenlos. Indes profitierte der frühere Düsseldorfer bei seinem ersten Saisontor vom bekannt katastrophalen Abwehrverhalten der Gladbacher, die im fünften Saisonspiel bereits den 17. Gegentreffer schluckten. Nach einem Freistoß köpfte Kleindienst-Ersatz Isac Lidberg den Ball anstatt zur Seite mittig vor die Füße Johannessons.
Der Ausgleich fiel ebenfalls nach einem schweren Abwehrpatzer. Kölns Jahmai Simpson-Pusey verlängerte eine eigentlich eher harmlose Hereingabe von Lukas Ullrich unglücklich und Skhiri stand viel zu weit von Scally weg, der problemlos einköpfen konnte. Für Aufregung sorgte der provozierende Jubel des US-Amerikaners vor der Kölner Fankurve. Wenige Minuten später musste Skhiri mit der Trage vom Feld gebracht werden.
Köln im zweiten Durchgang deutlich besser
Die zweite Halbzeit begann deutlich rasanter als die erste, blieb aber spielerisch genauso arm. Torszenen resultierten nur zufällig oder durch kapitale Fehler wie von Gladbachs Hashioka, der Kölns Dribbelkönig Said El Mala den Ball in den Lauf spielte. Der Nationalspieler scheiterte am herausragend reagierenden Jan Leszczynski. Der 19 Jahre alte polnische Innenverteidiger hatte bereits kurz zuvor gegen Simpson-Pusey in höchster Not auf der Linie geklärt.
Der FC war nun deutlich tonangebend und kam durch einen tollen Weitschuss von El Mala zum verdienten Lohn. Von der Borussia kam in zweiten Durchgang fast nichts mehr nach vorn.