Lesermeinung Hafen | Pisa | Ehrenamt
Bei der OZ reden die Leserinnen und Leser mit. Hier haben wir Leserbriefe der vergangenen Zeit gesammelt.
Zukunft für den Hafen
Mit zunehmendem Unverständnis verfolge ich die Diskussion um die Sanierung des Alten Hafens in Weener. Eines vorweg: Der Hafen55 gehört zum Hafen, hat ihn über Jahre belebt und soll dort auch künftig seinen Platz haben. Doch inzwischen stellt sich die Frage, worüber wir eigentlich noch diskutieren: über die Zukunft des gesamten Hafens oder darüber, wie weit eine öffentliche Planung verändert werden soll, damit das Betriebskonzept eines Einzelnen möglichst unangetastet bleibt? Offene Briefe, Gegenentwürfe, eine Demonstration mit Begriffen wie „Vernichtung“, „Zerstörung“ und „Kahlschlag“, immer neue Forderungen, eine Beschwerde bei der Kommunalaufsicht und nun ein Bürgerbegehren. All das ist legitim. Aber die Menge des Protestes macht die eigene Position nicht automatisch richtiger. Die Bereitschaft, Veränderungen auch bei sich selbst zuzulassen, fehlt anscheinend leider. Wer Flexibilität von der Stadt fordert, kann nicht ausschließlich die Flexibilität der anderen meinen. Betriebliche Interessen sind nachvollziehbar, sie dürfen aber nicht bestimmen, wie sich ein öffentlicher Raum für die nächsten Jahrzehnte entwickeln darf. Der Hafen55 darf und soll Teil dieser Zukunft sein. Aber er kann nicht die Bedingung sein, unter der sie stattfinden darf. Denn am Ende sanieren wir keinen Biergarten. Wir sanieren den Alten Hafen von Weener. Und der muss im Idealfall jahrzehntelang halten und nicht nur solange ein aktuelles Betriebskonzept funktioniert.
Carsten Willems
Weener
Marinehafen Emden
Wo ist das Bedauern? Die Verantwortlichen wirken gut gelaunt, oder kommt nur mir das so vor? Wo ist eigentlich das Bedauern und der Schmerz über die Tatsache, dass wir einen Marinehafen bauen müssen? Ist das wirklich eine gute Nachricht? Ich finde, es ist eine schlimme Nachricht. Wenn meine Enkelin richtig Fahrrad fahren kann, wird sie nicht mehr zur Knock radeln. Die Verantwortlichen sind der Meinung, dass dieser Standort ideal ist. 450 Hektar Marinehafen lese ich in der Ostfriesen-Zeitung. Kann das stimmen? Eine riesige Fläche. Große Schiffe, bis an die Zähne bewaffnet. Das soll eine gute Nachricht sein? Die Kommunalpolitik sagt, dass jetzt aber schleunigst gute Bedingungen für die neuen Mitarbeitenden dieses Hafens geschaffen werden müssen. Brauchten wir bisher keine guten Bedingungen? Denkt vielleicht jemand daran, dass gerade eine viel größere Zahl an Mitarbeitenden große Angst um ihren Arbeitsplatz hat. Beim zivilen Arbeitgeber Volkswagen? Ich habe eine Vision: Ich sitze mit meiner Enkelin auf der Bank, die bei uns auf dem Deich in Wybelsum steht. Geradeaus schauen wir, wie lange schon, auf Industrie bei unseren niederländischen Nachbarn. Rechts sehen wir die Kriegsschiffe kreuzen. „Dort haben Oma und Opa früher Picknick gemacht“, sage ich zu meiner Enkelin. Wir schauen nach links und sehen die Hallen des ehemaligen VW-Werks. „Dort haben sie früher Autos gebaut“, sage ich zu meiner Enkelin. „Jetzt bauen sie dort Raketen.“ Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, sagte einmal ein bekannter deutscher Politiker. Vielleicht gehe ich mal zum Arzt und lasse überprüfen, ob bei mir noch alles richtig ist. Schließlich gehöre ich einer winzigen Schar an, die sich der Gewaltlosigkeit verpflichtet fühlt. Wo ist eigentlich das Bedauern und der Schmerz über diese Entscheidung, liebe Politikerinnen und Politiker? Wenn ihr schon meint, dass wir unbedingt mehr Militär brauchen, dann tut doch wenigstens nicht so, als wäre das eine gute Nachricht!
Martin Kaminski
Emden
Wer hält das System am Laufen?
Liebe Gesundheitsminister dieses Jahrhunderts, also Fischer, Schmidt, Rösler, Bahr, Gröhe, Spahn, Lauterbach, Warken und Linnemann (Sie, Herr Linnemann, haben aber noch nicht so viel angerichtet)! Ich bin einer der Nutznießer des Systems, also wohl des Gesundheitssystems. Das heißt, wenn ich mir die „Übersetzungen“ dieses Begriffes so ansehe, dann bin ich „Schmarotzer“, lebe also auf Kosten von Leuten, die dieses System mit Leben füllen und es am Laufen halten. Das sagt der Bundeskanzler. Jedenfalls sagt er, dass wir Ärzte „Nutznießer“ seien. Wahrscheinlich bezieht er auch alle anderen Mitarbeiter des Gesundheitssystems mit ein. Er sagt nicht, wer denn eigentlich das System am Laufen hält. Sehe ich doch richtig, oder? Es gab mal eine Zeit, da klatschte eine ganze Republik für uns „Nutznießer“. Weil wir den Laden am Laufen hielten. Schon vergessen? Da war Pandemie! Da wurden wir gebraucht! Na ja, so ganz eigentlich auch nicht. Denn es jährt sich bald zum 5. Mal, dass fachfremde Abgeordnete, also solche, deren Besetzung Wähler, also auch wir „Nutznießer“, bestimmt hatten, diese „Nutznießer“ in eine Impfung zwangen. Also nicht wörtlich, aber „faktisch“ – um wieder ein beliebtes Wort des Bundeskanzlers zu benutzen. Denn es drohte ansonsten zumindest die Gehaltseinstellung. Und nun sind viele ständig krank. Oder dauerhaft krank. Oder Schlimmeres. Aber ja doch: Wir sind „Nutznießer“. Gehorsame noch dazu. Fragt sich: Wer wird das System am Laufen halten? Wenn alle krank werden?
Dr. Dietmar Schürmann
Leer
Neugestaltung gelungen
Nun scheint es endlich geschafft! Die Ecke Georgwall/Hafenstraße ist fertig. Nach dem jahrelangen Hin und Her und durch die schlechte Umsetzung der damals beauftragten Firma war der Bereich nicht mehr schön anzusehen. Mit eigenen Ideen und mit den eigenen Leuten hat man jetzt eine sehr schöne Lösung gefunden. Selbst die Bänke sind mittlerweile montiert worden. Ich als Auricher möchte einfach für die Initiative und die Umsetzung Danke sagen. Wieder ein Baustein mehr, der unsere Stadt attraktiver macht. Weiter so!
Jörg Ottersberg
Aurich
Pisa-Test
Da ist er wieder. Der böse Pisa-Test. Obwohl es seit vielen Jahren bekannt ist, dass Deutschland bildungsmäßig am Ende der Skala rangiert, haben viele Leute eine Art Aha-Effekt. Dabei hätte man doch nur auf Ausbilder hören können, die seit Jahrzehnten bemängeln, dass Bewerber nicht ordentlich lesen und schreiben können. Von Rechnen wollen wir erst gar nicht reden. Universitäten stellen bei den Studenten erhebliche Mängel in Mathematik fest, und in geisteswissenschaftlichen Fächern können viele Studenten keinen gegebenen Text gliedern. Allen Testergebnissen ist gemein, dass in diesem Zusammenhang Entschuldigungen gesucht werden: Zu wenig Lehrer/zu viele Schüler (Zahlen?). Kitas bringen Kindern Lesen und Schreiben nicht bei. Eltern fördern ihre Sprößlinge nicht ausreichend. Zu viele Ausländer sind in der Klasse. Zu wenig Computer in den Schulen (Zitat: Wir müssen digitaler werden). Es liegt an Corona. KI bringt alles durcheinander. Wenn alles nichts hilft: Der Mangel an Geld ist immer ein Argument. Ist es nicht an der Zeit ,die Gründe für dieses Bildungschaos bei sich selbst zu suchen und sich auch mal zu fragen, warum zum Beispiel Nachhilfeinstitute wie die Pilze aus dem Boden wachsen, die die originären Aufgaben der Pädagogen übernehmen müssen? Wäre es da nicht sinnvoll, den Ländern zu folgen, die ihre Bewerber bereits vor Aufnahme eines Studiums auf ihre Befähigung für ihre angestrebte Tätigkeit testen?
Joachim Meier
Nordgeorgsfehn
Ehrenamt verdient Respekt
Am 20. September fand in der Innenstadt von Leer die 32. Auflage des Citylaufs mit der beeindruckenden Zahl von rund 2800 Teilnehmern statt. Was für eine Zahl und wie schön, dass dieses Laufevent immer mehr Zuspruch findet. Umso mehr hat es mich geärgert, als ich im Lokalsportteil der OZ vom 23. September lesen musste, dass es sowohl vor Ort als auch nach der Veranstaltung in den sozialen Medien Kritik (teilweise in einem völlig unangemessenen Ton) daran gab, dass nicht jede/r eine Medaille erhalten hätte. Die Organisatoren erklärten in dem Artikel, wie es dazu kommen konnte. Die Erklärung war mehr als verständlich und nachvollziehbar. Als Zuschauerin dieser schönen, alljährlich stattfindenden Veranstaltung konnte ich erleben, wie gut dieses Ereignis organisiert war und wie positiv die Stimmung in der Stadt war. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung, die fast ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis erfolgreich durchgeführt wird, verdient unser aller großen Respekt und sollte uneingeschränkte Wertschätzung erfahren. Sollte jemand Verbesserungsvorschläge haben, können diese ja immer dem Organisationsteam in einem angemessenen Ton vorgetragen werden. Rüdiger Barten äußerte sich entsprechend dazu in dem Zeitungsartikel. Wenn die Kritiker sich einmal bewusst machten, welch großen zeitlichen und arbeitstechnischen Aufwand ehrenamtlich Tätige in ein solches Event investieren, würde ihnen vielleicht deutlich werden, dass es ohne diese Menschen, die sich ausschließlich gemeinwohlorientiert und damit unentgeltlich für die Gemeinschaft einsetzen, solche oder ähnliche Ereignisse nicht gäbe. Viel zu schnell und zu leichtfertig wird ein Event begutachtet und in den sozialen Medien entsprechend negativ kritisiert, was in der Anonymität dieser Medien ja leider ein zu leichtes Spiel ist. So gab es auch im Sommer zum Beispiel unmittelbar nach Aufbau der Strandkiste im Stadtzentrum in den sozialen Medien entsprechend negative Äußerungen. Sehr schade, denn auch hier waren wiederum Ehrenamtliche in Aktion, um unsere Stadt attraktiver zu machen. Mein Vorschlag an all diejenigen, die sehr schnell negative Äußerungen zu unterschiedlichsten Events posten: Wie wäre es mit einem Engagement in einer ehrenamtlich organisierten Gruppe, um so zu erfahren, welch großer organisatorischer und zeitlicher Aufwand in den zahlreichen Veranstaltungen steckt. Gleichzeitig wird man aber auch feststellen können, dass ein Ehrenamt dem Aktiven unter anderem Anerkennung und soziale Verbundenheit gibt. Zwei Werte, die in der heutigen, schnelllebigen Zeit von großer Bedeutung sind.
Doris Kruse
Leer
Neuer Marinehafen
Endlich, der Zuschlag für den Bau eines neuen Marinehafens ist an Emden gegangen. Alle sind froh oder doch eher nur die Politiker, die vom aktuell eher negativen Thema VW ablenken und den aufkommenden neuen Stern am Kriegshimmel propagieren können? Bis zu 2000 neue Dienststellen stehen über 8000 auf der Kippe stehenden, tatsächlichen VW-Arbeitsplätzen gegenüber. Von den Zulieferern ganz zu schweigen. Dienststellen sind nicht 1:1 umzusetzen beziehungsweise gleich zu stellen mit Haushaltsstellen. Es handelt sich dabei lediglich um geplante Stellen, die noch mit viel Geld aus dem Haushalt zum Leben erweckt und erhalten werden wollen. Gewerbesteuer zahlt die Bundeswehr keine, nutzt aber die vorhandene Infrastruktur unter anderem mit ihren schweren Fahrzeugen. Für deren Betrieb und Instandsetzung ist dann wiederum die Kommune beziehungsweise das Land zuständig. Ob das alles wirklich so heilsbringend ist, wie von der Politik verkündet und ob die regionalen Betriebe bei den anstehenden Ausschreibungen eine reelle Chance bekommen, bleibt abzuwarten.
Artur Hasseler
Emden
SPD-Protest in Berlin
Statt endlich die dringend benötigten Reformen auf den Weg zu bringen, ohne gleich derartige Bemühungen als Sparorgien abzutun und sich als Kämpfer gegen Gerechtigkeitslücken aufzuspielen , versucht es die SPD nun mit groß inszenierter Empörung über die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten in Magdeburg. Eine Nummer kleiner hätte es auch getan. Zeichen setzen und einfach loslaufen (SPD-MdB Troff-Schaffarazyk) ersetzt leider keine substantielle Politik. Vielmehr ist das Ausdruck von Hilflosigkeit und lässt Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Koaltion weiter wachsen. Jetzt beschäftigt Berlin, wer wohl die vier Abgeordneten, die in Magdeburg für den AfD-Kandidaten gestimmt haben, gewesen sein könnten. Und der Kanzler gibt auch keine bessere Figur ab, wenn er in seinem Statement zu bedauern scheint, dass sich aufgrund der geheimen Wahl das wohl nicht herausfinden lassen würde (das haben geheime Wahlen nun einmal so an sich). Aus den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben SPD und CDU nichts, aber auch gar nichts gelernt. Statt die AfD weg zu regieren (das war einmal der Anspruch von Merz), regiert man sie nach Kräften herbei. Die AfD müsste sich eigentlich tagtäglich für die kostenlose Wahlkampfhilfe von SPD und CDU bedanken.
Bernhard Seelhorst
Friedeburg
Selbstbestimmt sterben
Susanne Kränzle betont in ihrem Artikel die Bedeutung von Fürsorge, Solidarität sowie Hospiz- und Palliativversorgung. All das ist wichtig. Doch kann das Versprechen, einen Menschen bis zum Ende zu begleiten, tatsächlich seinen Wunsch nach einem selbstbestimmten Tod entkräften? Ein Mensch kann liebevoll umsorgt werden und eine gute palliative Versorgung erhalten – und dennoch selbst über den Zeitpunkt und die Umstände seines Todes bestimmen wollen. Dabei geht es nicht zwangsläufig um Schmerzen oder Einsamkeit. Es kann auch um den drohenden Verlust von Selbstständigkeit, Kontrolle und persönlicher Entscheidungsfreiheit gehen. Im Artikel wird davor gewarnt, Suizidhilfe dürfe nicht zu einer normalen Form des Sterbens werden. Doch was ist eigentlich normales Sterben? Dass Menschen schwer krank oder hochbetagt ihre Selbstständigkeit verlieren und in einem Pflegeheim zunehmend auf andere angewiesen sind, gehört zur gesellschaftlichen Realität. Warum aber soll es problematisch sein, wenn jemand für sich entscheidet, eine solche Lebensphase nicht erleben zu wollen? Niemand sollte zur Suizidhilfe gedrängt werden. Aber ebenso wenig sollte der Wunsch danach als unnormal betrachtet oder mit dem Hinweis auf mehr Fürsorge einfach beiseitegeschoben werden. Fürsorge und Selbstbestimmung sind keine Gegensätze. Solidarität bedeutet, Menschen beizustehen, ohne ihnen ihre persönliche Entscheidung abzunehmen. Das Versprechen, bis zum Ende da zu sein, ist wertvoll. Es darf aber nicht zur Erwartung werden, deshalb auf den Wunsch nach Selbstbestimmung verzichten zu müssen. Eine humane Gesellschaft muss sowohl eine würdevolle Begleitung bis zum Lebensende ermöglichen als auch Menschen respektieren, die für sich eine andere Entscheidung treffen möchten. Selbstbestimmung darf nicht dort enden, wo andere Menschen eine Entscheidung nicht nachvollziehen können.
Habbo Schütz
Schortens
Chance vertan
Fast elf Jahre zog sich der Wiederaufbau der Friesenbrücke hin und brachte für die Bürger im Rheiderland und Westoverledingen massive Einschnitte mit sich. Für Fußgänger und Radfahrer war die Brücke die einzige direkte Verbindung über die Ems. Ohne sie verlängerte sich der Weg von Weener auf die andere Flussseite von 20 Minuten auf über eine Stunde mit dem Fahrrad. Familien, Freunde und Nachbarn auf beiden Seiten der Ems waren über Jahre hinweg faktisch voneinander getrennt und konnten sich nur unter erheblichem Mehraufwand besuchen. Die erst später eingerichtete winzige „Friesenfähre“ bot zwar eine Entlastung für den Fuß- und Radverkehr, war jedoch wetterabhängig und fuhr nicht rund um die Uhr. Sie fuhr auch nur während der Saison und wurde dann auch viel zu früh wieder abgezogen. Das beliebte Friesenbad in Weener konnte von früheren Gästen von der anderen Emsseite nicht mehr so ohne Weiteres erreicht werden. Die wichtige Bahnverbindung zwischen Groningen (Niederlande) und Leer wurde gekappt. Züge aus Richtung Niederlande endeten im Sackbahnhof Weener. Wer weiter nach Leer oder Hamburg reisen wollte, musste in langsame Linien- oder Schienenersatzverkehr-Busse umsteigen. Dies verlängerte die tägliche Pendelzeit erheblich. Durch die gekappte Verbindung der beiden Fernradwege brachen die Touristenzahlen und damit wichtige Einnahmen für Gastronomie und Einzelhandel in Weener merklich ein.
All dies ist bekannt, doch ich zähle es noch einmal auf, um den Verantwortlichen zu verdeutlichen, was die Anrainer fast elf Jahre lang ohne großes Murren ertrugen. Manchmal mit ein wenig Sarkasmus und Ostfriesenwitz.
Dann kam der 1. Oktober, die feierliche Wiedereröffnung der Linie. Was hätte man nicht alles machen können, um sich bei den Bürgern für ihre Geduld zu bedanken: Einen Tag kostenlos an der Jungfernfahrt teilnehmen? Kleine individuelle Bürgerfeste an den einzelnen Bahnhöfen – gerade Bunde hätte Grund gehabt zum Feiern – und so vieles mehr! Das wäre eine Chance gewesen.
Was geschah stattdessen? Vertreter aus Wirtschaft und Politik feierten sich exklusiv selbst. Leider trägt auch diese Art der Abgehobenheit weiter zur Entfremdung des Bürgers von der Politik bei. Das ist sehr bedauerlich und zu heutigen Zeiten auch noch brandgefährlich.
Schade um die vertane Chance, Bürgernähe zu leben!
Catharina Bockhacker
Ferstenborgum
Warum genehmigt man so etwas?
Schade, wieder wird eine große Fläche mit einem unnützen Supermarkt versiegelt! Warum um alles in der Welt genehmigt man so etwas? Sind wir so in Versorgungsnot, dass überall ein Supermarkt stehen muss? Fast jeder ist heutzutage mobil, da kann man ja wohl mal ein wenig weiterfahren zu bereits bestehenden Märkten! Da kann man mal wieder sehen, dass vor den großen Konzernen eingeknickt wird und gerade vor Lidl. Lidl hat seine Chance gehabt auf dem vorherigen Gelände. Schade, dass unser schwacher Rat und alle, die mit Emdens Stadtplanung zu tun haben, so glaube ich, immer am Thema vorbei planen! Die handeln entgegen aller Empfehlungen, in Emden wird abgeholzt und versiegelt, was das Zeug hält!
Wolfgang Buss
Emden
Empfehlenswerte Lektüre
Die in der Tat interessante Geschichte der „Graf Goetzen“ – kurz vor dem Ersten Welktkrieg auf der Papenburger Meyer-Werft gebaut, zerlegt und dann auf dem afrikanischen Kontinent wieder zusammenmontiert – ist immer mal wieder Thema der regionalen Presse. Was mich allerdings wundert: so gut wie nie wird darauf hingewiesen, dass der Schweizer Schriftsteller Alex Capus diese Geschichte in seinem sehr lesenswerten und spannenden Roman „Eine Frage der Zeit“ (2007) verarbeitet hat. Der Roman schildert, wie die drei Emsländer Rüter, Tellmann und Wendt mit Aussicht auf einen hervorrragenden Verdienst das Schiff in Afrika montieren und dabei als rechtschaffende und stolze Arbeiter aus dem Emsland nicht nur eine exotische Welt kennenlernen. Vor allem werden sie mit der Realität und Brutalität kolonialer Herrschaft konfrontiert, erleben die Folgen kaiserlicher Machtansprüche und werden letztendlich so in den beginnenden Weltkrieg hineingezogen. Die Verquickung der Schilderung technischer Pionierleistungen (ein komplettes Schiff zerlegt auf die Reise zu schicken und fernab der Werft zu montieren), persönlicher Erfahrungen (der Wechsel aus dem vertrauten Emsland ins tropische Afrika) und kolonial- und weltpolitischer Ereignisse macht das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre – und das Ganze mit einer Prise Lokalkolorit.
Bernhard Seelhorst
Friedeburg
Militärhafen – ernsthaft?
Die Pläne für einen Militärhafen in Emden sind für mich nicht nachvollziehbar. Besonders kritisch sehe ich die möglichen Folgen für die Ems als zentrale Verkehrsader. Sollte der Zugang zur Nordsee aus militärischen Gründen eingeschränkt oder gesperrt werden, wären Emden, Borkum und bedeutende Unternehmen der Region unmittelbar betroffen – darunter Volkswagen, die Meyer Werft und zahlreiche weitere Industriebetriebe. Zugleich könnte Emden noch stärker in den Fokus militärischer Strategien geraten, oder? Vielleicht noch ein Grund mehr für VW, sich aus dieser Region zurückzuziehen? Rechnen sich die eventuellen 2000 neuen Arbeitsplätzen für Menschen, von denen die meisten mit Sicherheit nicht aus der Region kommen werden, gegen die 9000 Mitarbeiter von VW? Der geplante Standort liegt sowohl in einem Naturschutzgebiet als auch in einer touristisch bedeutsamen Region. Außer ein paar Tagestouristen, die sich den Militärhafen anschauen wollen, wird es dann nicht vielleicht eher Touristen abschrecken, wenn Panzer durch Emden und die Region rollen? Da bereits alternative Standorte zur Verfügung stehen, stellt sich die Frage, warum eine gesamte Region, die für ihre idyllische Landschaft steht, für dieses Vorhaben grundlegend verändert werden soll? Ich bin fassungslos und überzeugt, dass die Folgen für Emden und die gesamte Region bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Sollte der Hafen tatsächlich gebaut werden, werde ich Emden verlassen.
Wibke Decker
Emden
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