Unruhen Proteste gegen Regierung in Albanien weiten sich aus

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Von dpa
| 15.10.2026 13:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Polizisten in Albaniens Hauptstadt Tirana setzte Tränengas gegen Demonstranten ein. Foto: Hameraldi Agolli/AP/dpa
Polizisten in Albaniens Hauptstadt Tirana setzte Tränengas gegen Demonstranten ein. Foto: Hameraldi Agolli/AP/dpa
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Tränengas in Tirana, Steine und Molotowcocktails in Korca: Die Proteste gegen Missstände an den Hochschulen erreichen weitere Städte. Viele Albaner sind seit langem zornig auf Ministerpräsident Rama.

In Albanien gehen die gewaltsamen Proteste junger Menschen gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung in den dritten Tag in Folge. Nach ersten Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden in der Hauptstadt Tirana weiteten sich die Ausschreitungen am Donnerstag auf drei weitere Städte in dem EU-Kandidatenland aus. Das Parlament in Tirana vertagte wegen der Gewalt auf den Straßen vorsichtshalber eine für Donnerstag geplante Plenarsitzung auf kommende Woche.

Ministerpräsident Edi Rama bezeichnete die Proteste als Werk der Opposition, die verhindern wolle, dass Albanien ein Beitritt in die EU gelinge. Sie versuche mit „Feuern und Eisen“, Albanien in den Abgrund zurückzubringen, aus dem alle das Land herausgezogen hätten, erklärte der Sozialist, wie Medien in Tirana berichteten. Den Beitritt der EU bezeichnete er als „Traum aller Albaner über Generationen hinweg“. Die Forderung nach einem Rücktritt lehnte Rama ab.

Polizeichef: Nur wenige Studenten unter Festgenommenen

Polizeichef Skender Hita erklärte, dass die Gewalt nicht von Studenten ausgehe. Von den zahlreichen in den vergangenen Tagen festgenommenen Demonstranten seien „nur sehr wenige Studenten“ gewesen. Verantwortlich machte er andere Personen aus dem In- und Ausland, die er nicht näher benannte. 

Medien hatten von mehr als 100 festgenommenen mutmaßlichen Randalierern während der letzte zwei Tage berichtet. Dazu nannte der Polizeichef keine Zahlen. Insgesamt 71 Polizisten seien verletzt worden, einige davon schwer, sagte Hita weiter. Medien hatten vorher von fast 100 verletzten Polizisten berichtet.

In Tirana versuchten Demonstranten am Donnerstag erneut, sich dem Bildungsministerium und dem Regierungssitz zu nähern, worauf die Polizei mit Tränengas reagierte. In der Stadt Korca warfen Demonstranten Medienberichten zufolge Steine und Molotowcocktails auf Schulen. Zu weiteren Protesten kam es in den Städten Durres und Lushnja. Im Zentrum Tiranas hatten Randalierer unter anderem eine Bank und Räume einer Universität verwüstet.

Der Zorn der Studierenden richtet sich gegen schlechte Studienbedingungen, hohe Ausbildungskosten und fehlende berufliche Perspektiven. Die Demonstranten forderten aber auch den Rücktritt des sozialistischen Ministerpräsidenten Rama, der seit 2013 in dem Balkanland regiert.

Seit Monaten sich verstärkender Unmut gegen Ministerpräsidenten

Der allgemeine Unmut gegen Rama und gegen die gesamte politische Führung hatte sich bereits vor Monaten verstärkt, als bekannt wurde, dass die Regierung ein Immobilien-Projekt in einem Naturschutzgebiet an der albanischen Adriaküste unterstützt, hinter dem Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, steht. Die seither täglich laufenden Protestdemonstrationen sind als „Flamingo-Revolution“ bekannt, weil in dem Naturschutzgebiet auch Flamingos leben.

Albanien verhandelt inzwischen relativ fortgeschritten über einen EU-Betritt. Viele seiner Bürger empfinden zugleich die politischen Eliten als gierig, korrupt und inkompetent.

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