Champions League Trotz Überzahl: Starker VfB verpasst Sieg gegen Atlético
Die Stuttgarter bleiben in der Königsklasse auf Kurs. Gegen Madrid zeigen sie eine bärenstarke erste Halbzeit. Die Krönung gelingt ihnen nach einem Platzverweis gegen die Spanier allerdings nicht.
Trotz eines überzeugenden, phasenweise sogar furiosen Auftritts und langer Überzahl hat der VfB Stuttgart die große Überraschung in der Champions League verpasst. Zumindest einen Punkt nahm der Fußball-Bundesligist dem Starensemble von Atlético Madrid beim 1:1 (1:0) aber ab.
Nationalspieler Jamie Leweling brachte die vor der Pause überraschend starken Schwaben in der 36. Minute in Führung, Madrids Offensivstar Julián Alvarez traf kurz nach dem Seitenwechsel zum Ausgleich (47.). Nach einer Roten Karte gegen Morten Hjulmand (64.) mussten die Spanier vor 58.000 Zuschauern fast eine halbe Stunde in Unterzahl auskommen - und retteten das Remis.
Für den VfB, der in der Liga nur Tabellen-13. ist und am Freitag auf Schlusslicht Borussia Mönchengladbach trifft, war es bereits der siebte von neun möglichen Punkten in der Königsklasse. Atlético und Starcoach Diego Simeone blieben zum sechsten Mal nacheinander bei einem Bundesligisten sieglos.
VfB vom Anpfiff weg am Drücker
Mit großem Respekt hatte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß vor dem Spiel über die Madrilenen gesprochen. Ein Gegner der „Nonplusultra“-Kategorie sei das, hatte der 44-Jährige voller Anerkennung gesagt. Seine Mannschaft indes zeigte sich von den vielen großen Namen in Reihen der Rojiblancos gänzlich unbeeindruckt.
Es war eine bemerkenswerte erste Halbzeit, die die Stuttgarter hinlegten. Statt des jungen VfB-Torhüters Dennis Seimen, der sein Champions-League-Debüt feierte, war zunächst Atléticos Keeper und Urgestein Jan Oblak gefordert - und das in den ersten 45 Sekunden sogar gleich zweimal. Zunächst parierte der Slowene einen Flachschuss von Bilal El Khannouss, dann einen Versuch von Josha Vagnoman aus der zweiten Reihe.
Die Schwaben waren von Anfang an voll drin in der Partie, öfter am Ball als der Gegner und griffiger in den Zweikämpfen. Die Fans, die vor dem Anpfiff eine beeindruckende Choreographie gezeigt hatten, peitschten sie lautstark nach vorne. Nur das Tor fehlte zunächst. Auch bei einem Schuss des auffälligen Angelo Stiller war Oblak auf dem Posten (11.).
Leweling trifft - Sammer schwärmt
Die geradezu lethargischen Madrilenen brauchten fast eine halbe Stunde, ehe sie den ersten halbwegs gefährlichen Angriff zustande brachten. Mehr als eine Ecke sprang dabei aber nicht heraus. Und gerade als die Spanier etwas besser in den Rhythmus zu kommen schienen, schlug der VfB dann doch mal zu.
Madrids Marc Pubill verlor an der eigenen Strafraumgrenze den Ball an Stiller, Leweling traf mit einem noch leicht abgefälschten Flachschuss ins linke Eck. Sowohl der 25-Jährige als auch Stiller waren von Bundestrainer Jürgen Klopp bei dessen ersten Länderspielen im September nicht berücksichtigt worden.
„Der VfB macht alles, alles richtig“, lobte der Ex-Nationalspieler und frühere Stuttgarter Matthias Sammer bei Prime Video zur Pause. Mit Blick auf die Gäste warnte der Europameister von 1996 aber auch: „Die sind noch nicht tot.“
Alvarez trifft nach Transfer-Theater
Und tatsächlich: Die zweite Halbzeit war kaum angepfiffen, da meldete sich Atlético zurück. Der gerade erst eingewechselte Ex-Leipziger Ademola Lookman bediente Alvarez - und der traf ohne große Gegenwehr ins rechte obere Eck. Der argentinische Weltmeister von 2022 wäre im Sommer nur allzu gern zum FC Barcelona gewechselt, Atlético hatte ihn aber nicht ziehen lassen. Der Stürmer stand bei vielen Fans daraufhin wochenlang in der Kritik.
Es war nun ein offenes Spiel - und der VfB, bei dem Vagnoman angeschlagen ausgewechselt werden musste, auch defensiv mehr gefordert. Seimen wehrte einen Schuss von Pablo Barrios mit dem Fuß ab (61.). Dann schwächten sich die Spanier selbst: Hjulmand foulte Stiller heftig - und flog zu Recht vom Platz.
In Überzahl versuchten die Stuttgarter, das Ruder in der Schlussphase wieder an sich zu reißen. Auch Ermedin Demirovic, der im laufenden Wettbewerb schon viermal getroffen hat, durfte noch als Joker ran. Jeff Chabot hatte den Siegtreffer auf dem Kopf, setzte den Ball aber haarscharf neben das Tor (81.).