Jubiläum eines Klassikers Kultalbum von Amy Winehouse: „Back to Black“ wird 20
Mit dem Album „Back to Black“ wurde Amy Winehouse zum Weltstar. Zum 20. Jubiläum erscheint nun eine Neuauflage. Ihr Freund und musikalischer Begleiter Dale Davis erinnert sich an die Sängerin.
Als Dale Davis Amy Winehouse zum Erfolg ihres Albums „Back to Black“ gratulierte, blieb die Sängerin ganz gelassen. „Sie sagte ohne jede Arroganz: „Ich wusste, was ich tue““, erzählt ihr langjähriger Bassist, Musikdirektor und Freund im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Sie hatte eine Vision und hat dabei alles richtig gemacht.“
„Back to Black“ erschien am 27. Oktober 2006 und wurde ein Welterfolg. 2008 gewann Winehouse fünf Grammys, unter anderem für „Rehab“ als Song und Aufnahme des Jahres. Laut Plattenfirma verkaufte sich das Album weltweit mehr als 25 Millionen Mal. Zum 20. Jubiläum erscheint es jetzt als Neuauflage in verschiedenen Formaten.
Bevor Amy Winehouse ein Star wurde
Davis kam 2003 zur Band von Amy Winehouse, kurz vor ihrem Debütalbum „Frank“. Als Musikdirektor war er das Bindeglied zwischen ihr, der Band, dem Management und der Plattenfirma. Ihm war sofort klar, dass die Sängerin und Songwriterin etwas Besonderes war. „Sie war unglaublich witzig, herzlich und extrem talentiert“, schwärmt er. „Sie war rebellisch und nahm kein Blatt vor den Mund. Vieles, was ich nur gedacht habe, hat sie laut ausgesprochen.“
Einige Songs von „Back to Black“ spielte die Band schon auf der „Frank“-Tour, etwa „Addicted“. Den Rest hörte Davis zuerst als Demos. „Ich dachte: Das ist großartig“, erinnert er sich. Mark Ronson und Salaam Remi produzierten das Album.
Demos und ein Konzert aus Amsterdam
Die große Jubiläumsedition auf CD, Vinyl und digital enthält ein Konzert vom 8. Februar 2007 aus dem Paradiso in Amsterdam. Dazu kommen seltene B-Seiten und vier bislang unveröffentlichte Demos, darunter frühe Fassungen von „Back to Black“ und „Love Is A Losing Game“ sowie „Fuckery“, aus dem später „Me & Mr Jones“ wurde.
Dass die Demos nun veröffentlicht werden, sieht Davis mit gemischten Gefühlen. „Ich bin mir nicht sicher, ob Amy das gewollt hätte. Ich glaube, kein Künstler wäre unbedingt begeistert, wenn nach seinem Tod unveröffentlichtes Material erscheint. Es wurde ja nicht veröffentlicht, weil es nicht fertig ist. Aber man hört, wie großartig Amy war. Darauf kommt es an.“
Als die „Dämonen“ rauskamen
Wenige Tage nach dem Paradiso-Konzert gewann Winehouse den Brit Award als beste britische Solokünstlerin. Damit wurde sie endgültig zum Star. „Mit all der Aufmerksamkeit und dem Rampenlicht der Medien kam ein ganz anderer Druck auf sie zu“, sagt Davis.
Winehouse kämpfte mit Alkohol und Drogen. „Wenn man so viel unterwegs ist und so sehr im Rampenlicht steht, kommen die Dämonen raus, sobald man müde wird“, so der Bassist. Sie habe später selbst zugegeben, dass sie sich oft selbst sabotiert habe.
Am 20. Juli 2011 stand sie ein letztes Mal auf der Bühne, im Londoner Roundhouse als Gast bei einem Konzert ihrer Patentochter Dionne Bromfield, in deren Band Davis spielte. Danach sprachen die beiden lange. „Draußen sagte Amy: „Mir ist kalt, kannst du mich in den Arm nehmen?““, erzählt Davis. Drei Tage später starb Winehouse mit 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung.
Die Musik lebt weiter
Am Ort ihres letzten Auftritts, dem Roundhouse in ihrem Heimatbezirk Camden, spielte ihre frühere Band um Dale Davis zum Jubiläum „Back to Black“ in voller Länge. Sängerinnen wie Corinne Bailey Rae, Jorja Smith und Jessie Reyez begeisterten das Publikum mit ihren Interpretationen von Amys Songs. Bei „Rehab“ sang das ganze Roundhouse mit. Auch Mark Ronson war dabei.
Bis Ende März ist Davis mit der Amy Winehouse Band auf Tournee, überwiegend in Großbritannien. Die Erinnerungen an die letzten Stunden mit der Sängerin begleiten ihn dabei. „Sie sind der Grund, warum ich ihr Vermächtnis schützen will“, betont er. Für ihn steht Amy Winehouse in einer Reihe mit Kurt Cobain, Jimi Hendrix und Bob Marley. „Sie war nicht dafür bestimmt, leise zu verschwinden.“