Fußball-Bundesliga Körper stoppt Arbeitstier Kompany: Zuspruch und Warnungen
Vincent Kompany hat während einer Virus-Infektion womöglich Warnsignale seines Körpers ignoriert. Der Zusammenbruch hat Auswirkungen auf den FC Bayern - und löst eine Debatte über den Trainerjob aus.
Uli Hoeneß kam mit einer Geschenktüte in die Klinik. Max Eberl besuchte Vincent Kompany ebenfalls am Krankenbett. Und aus der besorgten Fußball-Szene erreichten den 40 Jahre alten Cheftrainer des FC Bayern München auch über Deutschland hinaus zahlreiche Genesungswünsche.
Kompanys Zusammenbruch hat beim deutschen Rekordmeister in intensiven Wochen mit Topspielen am Fließband gegen Arsenal, Freiburg, Dortmund und Atlético Madrid erst für einen Schreckmoment gesorgt. Und danach auch eine Belastungsdebatte rund um den 24/7-Job der Fußball-Toptrainer ausgelöst.
Eberls gute Nachricht: „Er ist stabil“
Beim Gesundheits-Update stellte Sportvorstand Eberl vor der Dienstreise des deutschen Rekordmeisters ohne Chefcoach Kompany nach Freiburg „die gute Nachricht“ gleich an den Anfang: „Er ist stabil!“
1️⃣ | 𝗪𝗶𝗲 𝗴𝗲𝗵𝘁 𝗲𝘀 𝗧𝗿𝗮𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗩𝗶𝗻𝗰𝗲𝗻𝘁 𝗞𝗼𝗺𝗽𝗮𝗻𝘆?
— FC Bayern München (@FCBayern) October 24, 2026
🗣️ Max Eberl: „Die gute Nachricht ist: Er ist stabil. Ich habe gestern Abend mit ihm gesprochen, auch mit seiner Frau. Das war für uns alle kein schöner Moment, er ist gestern auf dem Platz zusammengebrochen… pic.twitter.com/QUm2cpyZnw
Der Belgier werde aber noch einige Tage in der Klinik bleiben müssen, in die er am Freitag nach dem Notarzt-Einsatz auf dem Vereinsgelände transportiert worden war. Klar ist: Kompany wird sich jetzt absolute Ruhe gönnen müssen. Er soll „alle Zeit“ zur Genesung bekommen, wie Eberl betonte: „Wir werden nicht von Tagen reden, wir werden von Wochen reden. Das muss uns allen klar sein.“
Die Ursache des Zusammenbruchs ist medizinisch noch nicht endgültig geklärt. Aber es liegt nahe, dass sich Kompany in der zurückliegenden Woche übernommen hat. Das deutete er selbst nach dem 2:2 gegen den FC Arsenal an: „Als Trainer will man immer alles tun und alles machen. Ich habe einen ziemlich saftigen Virus bekommen. Letzte Woche habe ich dann nicht auf meinen Körper gehört. Und dann hat der Körper irgendwann gesagt: „Jetzt hör mal auf, Junge!“ Aber natürlich fühle ich mich besser, sonst wäre ich nicht hier.“
„Vinnie ist so ein unfassbarer Arbeiter“
Das war anscheinend eine folgenschwere Fehleinschätzung. Als Kompany zwei Tage später beim Training der Bayern-Amateure vorbeischaute, kam es zum Kollaps. Und Eberl beschrieb, wie schwierig es sei, Kompany einzubremsen.
„Wir haben ihn schon zwei Tage zurückgehalten vor dem Arsenal-Spiel. Das ist schon ein Stück weit auch die Verantwortung eines selbst, zu sagen, ich kann nicht mehr“, sagte Eberl: „Vinnie ist so ein unfassbarer Arbeiter, der geht dann halt auch über diesen Punkt hinweg.“ Für die Zukunft äußerte Eberl: „Es wird die große Aufgabe sein, ihn zu schützen vor sich selbst auch ein Stück weit.“
Gedanken von Kovac und Klose zum Trainerjob
Der Trainerberuf ist extrem stressig. Vor allem bei den Top-Clubs, wo Coaches wie Kompany permanent abliefern müssen. „Wir wissen alle, wie anstrengend so ein Trainerjob ist“, sagte Dortmund-Coach Niko Kovac, der Kompany eine SMS schickte. Nürnbergs Trainer Miroslav Klose gestand: „Es ist nicht einfach, denn wir sind alle stur. Wir müssen uns selbst die Freizeit für den Kopf freischaufeln.“ Auch ihm gelinge es zu selten, mal abzuschalten.
Schalkes Aufstiegstrainer Miron Muslic kann nachvollziehen, was Kompany widerfahren ist: „Ich kenne das. Der Tag ist manchmal sehr, sehr lang. Unser Job ist sehr fordernd.“ Bisweilen auch überfordernd?
Kompany wirkte bis zu seiner Viruserkrankung extrem belastbar. Er arbeitet akribisch. Er ist aber auch ein reflektierter Familienmensch. Im Sommer genoss er wegen der Weltmeisterschaft den längsten Urlaub seines Fußballerlebens.
Vorerst wird Kompanys Assistent Aaron Danks in die Chefrolle schlüpfen und mit dem übrigen Trainerstab die anstehenden Spiele bewältigen. Der Engländer genießt hohes Ansehen im Verein und auch bei den Profis.
Trotzdem bleibt die Situation eine Herausforderung, für Kompany, für Danks, für die Spieler und die Bayern-Bosse. „Wir haben keine normale Phase. Wir haben die Geschichte mit Jamal Musiala gehabt. Wir haben das dramatische Erlebnis mit Joshua Kimmichs Papa gehabt. Wir haben die Geschichte mit Vinnie jetzt“, zählte Eberl auf: „Aber wir als Gruppe werden füreinander da sein.“