Nicht totzukriegen Ewig jung und hungrig: Warum Vampire nie aus der Mode kommen

Mia Bucher, dpa
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Von Mia Bucher, dpa
| 26.10.2026 07:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In seiner Rolle als Vampir Edward wurde Robert Pattinson zum Teenie-Schwarm.  Foto: Sebastian Gollnow/dpa
In seiner Rolle als Vampir Edward wurde Robert Pattinson zum Teenie-Schwarm. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Vampire sind düster, gefährlich, ein bisschen sexy und aktuell vor allem Serien-Dauergast. Was macht den Blutsauger so beliebt?

In „Love Sucks“ ist er ein hübscher Verführer mit Identitätsproblemen, in „Oderbruch“ ein kämpferischer Widerständler, in „City of Blood“ ein eleganter Geschäftsmann. In der deutschen Film- und Serienlandschaft gibt es zurzeit einen regelrechten Vampir-Boom. Ende Oktober etwa erscheint der Kinofilm „Die Blutgräfin“ mit Isabelle Huppert als mordende Vampirin, Ende November geht die britisch-deutsche Coming-of-Age-Comedyserie „The Reluctant Vampire“ an den Start. Der blasse Unheilsbringer ist nicht totzukriegen - und das schon seit Jahrzehnten.

Um herauszufinden, woran das liegt, lohnt sich zunächst ein Blick ans Ende des 19. Jahrhunderts, in die Zeit der Entstehung des modernen Vampirs: Graf Dracula. Der Schriftsteller Bram Stoker (1847-1912) veröffentlichte seinen Roman „Dracula“ am 26. Mai 1897. Zur Markteinführung wurden rund 3.000 Exemplare des 390 Seiten starken Buches mit gelbem Leineneinband und rotem Titel ausgeliefert.

Inspiriert wurde die Figur vom realen Herrscher Vlad III., geboren 1431, bekannt als „der Pfähler“. Vlad ließ seine Feinde auf meterhohe Pfähle aufspießen und soll im Kampf gegen die Osmanen fast 100.000 Opfer auf dem Gewissen gehabt haben. Historiker betonen allerdings, er sei nicht grausamer gewesen als andere Fürsten seiner Zeit.

Stoker’s Dracula habe ein Set an Eigenschaften mitgebracht, das bis heute den typischen Vampir ausmache, erklärt der Film- und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger aus Mainz. „Der Vampir hat Reißzähne, trinkt Blut, schläft in einem Sarg, ist gegen Knoblauch allergisch und hat kein Spiegelbild.“ Stiglegger hat dieses Jahr ein 400 Seiten starkes Buch über Horrorfilme herausgebracht und kennt quasi jeden Vampirfilm.

Graf Orlok versus Dracula

Den ersten großen deutschen Vampirfilm schuf Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau im Jahr 1922 mit „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“. Obwohl der Film schwarz-weiß und stumm ist, ist er immer noch ziemlich furchteinflößend. Der Vampir Graf Orlok hat krallenhafte lange Finger, riesige abstehende Ohren und lange spitze Schneidezähne. Stiglegger beschreibt ihn als „rattenhaft“ und „hässlich“. Orlok bringt Unheil über die Menschen.

Ganz anders gibt sich Schauspieler Bela Lugosi als Dracula im gleichnamigen Film von Tod Browning aus dem Jahr 1931. „Für das Publikum ist er der dandyhafte Vampir, der unsterblich ist und mit seiner Verführungskraft die Opfer gefügig macht und von deren Blut lebt.“ Er habe etwas Reizvolles. „Während dieses monströs rattenhafte Wesen aus Nosferatu etwas Beängstigendes hat, bei dem die Unsterblichkeit auch ein Fluch ist“, so der Professor für Filmwissenschaften.

Allein an diesen zwei Exemplaren zeigt sich, was die Figur des Vampirs für Filmemacher so attraktiv macht. „Der Vampir ist ein Bild, eine Metapher für immer neue Zusammenhänge“, erklärt Stiglegger.

Vampire vertragen keinen Knoblauch und auch kein Sonnenlicht.  Foto: picture alliance / dpa
Vampire vertragen keinen Knoblauch und auch kein Sonnenlicht. Foto: picture alliance / dpa

Mächtig, melancholisch und überlegen

„Es gibt diese Doppeldeutigkeit“, so der Experte weiter. Einerseits sei der Vampir mächtig und souverän, er lebe nach seinen eigenen Gesetzen und in gewisser Weise gegen die Zeit oder außerhalb der Zeit. Ein Beispiel sei der Film „Only Lovers Left Alive“ mit Tilda Swinton, ein melancholischer Liebesfilm, der sich über mehrere Jahrhunderte zieht. „Daneben steht die Idee der gewaltsamen Ermächtigung, das Genießen der vampirischen Überlegenheit in Filmen wie „Near Dark“, „Underworld“ oder „Blade“.“

Ein aktuelles Beispiel, in dem diese beiden Modelle gemischt würden, sei die Serie „City of Blood“. Die Vampire in der Disney+-Serie sind brutal, töten Menschen und wollen politische Macht. Gleichzeitig hadern sie mit ihrer Unsterblichkeit und dem Leben in der Nacht.

Der Vampir lasse sich in alle möglichen Kontexte übertragen, sagt Stiglegger. Es gebe Vampir-Western, Thriller und Gangsterfilme mit Vampiren oder romantische Dramen. Da Vampire schon ewig leben, lasse sich über sie die Geschichte und die Vergangenheit immer wieder neu verhandeln.

Gleichzeitig habe der Vampir für Menschen sowohl etwas Faszinierendes als auch etwas Abstoßendes. Das sei ähnlich wie bei True-Crime-Geschichten, in denen Frauen Liebesbriefe an Serienmörder schrieben. „Es gibt eine Faszination dafür, das archaische Tier für sich zu bezwingen.“

Ähnlich ist es auch in dem Teenie-Klassiker „Twilight“. Vampir Edward (Robert Pattinson) ist attraktiv und fürsorglich, zugleich aber ein Raubtier, das seine menschliche Freundin Bella (Kristen Stewart) töten könnte. Ständig kämpft er gegen seinen Blutdurst an. Bella fühlt sich zu ihm hingezogen, obwohl ihr Verstand sie warnt.

Unsterblich und unglaublich schön

Ist es Zufall, dass gerade jetzt so viele neue Vampir-Serien und Filme veröffentlicht werden? Wir lebten in einer Zeit, in der der Vampir für Menschen aus verschiedenen Gründen besonders faszinierend sei, sagt Stiglegger. „Die Idee der Langlebigkeit, die Verewigung der Jugend ist durch unsere Körperpolitik, zum Beispiel durch Influencer-Videos, Fitnessvideos oder der Body-Positivity-Bewegung aktuell sehr im Trend.“ Und man müsse bedenken: „Viele dieser Vampire sind nicht nur unsterblich, sondern auch unsterblich schön.“

Ein Beispiel sei die Vampir-Romanze „Love Sucks“ (ZDFneo) mit Damian Hardung, in der sich eine junge Frau in einen hübschen Vampir verliebt. „Im Grunde haben wir es mit ewiger jugendlicher Schönheit zu tun und das ist natürlich ein Traum.“

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