Bildung Eltern lesen laut einer Umfrage häufiger vor

dpa
|
Von dpa
| 27.10.2026 04:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gerade bei Kleinkindern ist regelmäßiges Vorlesen eminent wichtig, sagen Experten. (Symbolfoto) Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Gerade bei Kleinkindern ist regelmäßiges Vorlesen eminent wichtig, sagen Experten. (Symbolfoto) Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Artikel teilen:

Die Stiftung Lesen sieht einen mutmachenden Trend in ihrem Vorlesemonitor. Gleichzeitig warnt sie davor, diese Erfolge aufs Spiel zu setzen.

Mehr Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern einer Umfrage der Stiftung Lesen zufolge regelmäßig vor. Knapp 77 Prozent der befragten Eltern gaben an, ihrem Kind mehrmals am Tag, einmal am Tag oder mehrmals in der Woche etwas vorzulesen, wie aus dem Vorlesemonitor hervorgeht. Dieser Wert hatte bei der vorangegangenen Ausgabe 2024 noch bei knapp 68 Prozent gelegen, zwei Jahre davor sogar nur bei rund 61 Prozent. 

Die Zunahme sei Anlass zur Freude, sagte Timm Albers, Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn. Er gehörte zu dem Team, das die Umfrageergebnisse ausgewertet hat. Es habe sich ein seit 2022 andauernder positiver Trend fortgesetzt. Nach unten ging es entsprechend mit dem Anteil der Eltern, die ihren Sprösslingen nie vorlesen. 2022 war es noch ein Fünftel der Eltern, nun lag der Wert bei lediglich 12 Prozent. 

Deutliches Vorleseplus bei Kleinkindern 

Der Vorlesemonitor ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung. Es gibt ihn seit 2007. Zunächst gab es jedes Jahr eine Befragung, 2024 wurde auf einen zweijährigen Rhythmus umgestellt. Für diese Ausgabe wurde eine repräsentative Stichprobe von 914 Eltern befragt. 

Hervorzuheben sei auch, dass Kleinkindern öfter vorgelesen werde, betonte Albers. Von 115 befragten Eltern einjähriger Kinder gaben drei Viertel an, dies mehrmals oder einmal pro Tag oder mehrmals die Woche zu tun. Der Wert lag vor zwei Jahren noch bei 59 Prozent. Von 116 befragten Eltern von zwei Jahre altem Nachwuchs sind 93 Prozent regelmäßige Vorleser (2024: 78 Prozent). 

Über das Vorlesen ins Gespräch kommen, auch das trägt zum Spracherwerb bei, sagt die Stiftung Lesen. (Symbolfoto) Foto: Hans-Thomas Frisch/dpa
Über das Vorlesen ins Gespräch kommen, auch das trägt zum Spracherwerb bei, sagt die Stiftung Lesen. (Symbolfoto) Foto: Hans-Thomas Frisch/dpa

Frühes Vorlesen sei zentral für den Erwerb von Sprache und Wortschatz, sagte Albers. Eine gewisse Routine helfe, beim Vorlesen mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, das setze weitere Sprachimpulse. Das Lesen sei vermutlich auch wegen schlechter Ergebnisse bei Bildungsstudien mehr in den Fokus gerückt. 

Warnung trotz erfreulicher Ergebnisse 

Der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg Maas, führt die Entwicklung unter anderem auf positive Effekte des vom Bund geförderten Programms „Lesestart 1-2-3“ der Stiftung zurück. Bei dem werden in Kinder- und Jugendarztpraxen und Bibliotheken Buchgeschenke an Familien verteilt. 

Die Förderung laufe allerdings Ende dieses Jahres aus, sagte Maas. Das sei komplett unverständlich, könne den positiven Trend wieder zunichtemachen. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass rund ein Viertel der Kinder nach wie vor hinten runterfalle und nicht oder zu selten vorgelesen bekomme. 

Bildung spielt Rolle

Aus dem Bundesbildungsministerium heißt es, solche Projektförderungen seien grundsätzlich zeitlich befristet, seit 2011 seien gut 40 Millionen Euro geflossen. Es stehe der Stiftung frei, künftig eine Projektskizze einzureichen oder einen Antrag auf Förderung zu stellen. Das Engagement des Ministeriums zur Sprach- und Leseförderung gehe weit über die „Lesestart“-Projekte hinaus. 

Während in der Umfrage der Stiftung die Unterschiede in der Häufigkeit des Vorlesens zwischen Familien mit und ohne Zuwanderungsgeschichte gering sind, spielt Bildung weiter eine Rolle: 80 Prozent der Eltern mit formal höherer Bildung lesen demnach mehrmals oder einmal am Tag oder mehrmals in der Woche vor. Bei Eltern mit formal niedriger Bildung waren es 70 Prozent.

Ähnliche Artikel