Repressionen Aus für kremlkritische „Nowaja Gaseta“: „Hat uns getötet“

dpa
|
Von dpa
| 30.10.2026 09:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nach mehr als 30 Jahren schließt die kremlkritische russische Zeitung „Nowaja Gaseta“. (Archivbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
Nach mehr als 30 Jahren schließt die kremlkritische russische Zeitung „Nowaja Gaseta“. (Archivbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
Artikel teilen:

Die „Nowaja Gaseta“ ist eine der kritischsten Stimmen in Russland. Vor mehr als 30 Jahren gründete der inzwischen mit dem Friedensnobelpreis geehrte Dmitri Muratow die Zeitung. Nun muss sie schließen.

Die von Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow gegründete russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ stellt nach mehr als 30 Jahren und massivem Druck in Russland ihre Arbeit ein. „Man hat uns getötet“, lautet der Titel einer Erklärung auf der Website der Zeitung. „Die russischen Behörden und die russischen Geheimdienste zwangen die Redaktion, die Arbeit einzustellen“, schrieb das Medium darin. Am 9. November mache die Redaktion das Licht aus, fahre die Server herunter und gehe. Die Zeitung gebe es dann nicht mehr.

Die „Nowaja Gaseta“ gehört zu den kritischsten Stimmen in Russland und stand stets unter Druck. Anfang des Monats jährte sich etwa der Mord an ihrer Reporterin Anna Politkowskaja zum 20. Mal. Russische Behörden gingen auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als viereinhalb Jahren gegen die „Nowaja Gaseta“ vor. 

Die Organisation Reporter ohne Grenzen reagierte auf die Ankündigung. „Es ist erschreckend: Mit der erzwungenen Schließung der „Nowaja Gaseta“ verlieren wir eines der letzten unabhängigen Medien, die in Russland noch arbeiten konnten“, sagte Geschäftsführer Christian Mihr einer Mitteilung zufolge. „Seit der Vollinvasion in die Ukraine ist unabhängige, kritische Berichterstattung in Russland nur noch unter massiven Einschränkungen möglich“, führte er aus.

Medium als „ausländischer Agent“ eingestuft

Am Vorabend war bekannt geworden, dass die Redaktion ihre Räume in Moskau verlassen muss. Im April waren die Redaktionsräume stundenlang durchsucht worden, im September wurde das Medium als sogenannter ausländischer Agent eingestuft. Auch zuvor war schon ihr 2021 mit dem Friedensnobelpreis geehrter Gründer Dmitri Muratow als „Auslandsagent“ eingestuft worden. Damit brandmarkt Moskau Kritiker. 

Wer als „Auslandsagent“ gelistet ist, muss mit zahlreichen Nachteilen rechnen. Unter anderem sind ihnen Mieteinnahmen oder Depotzinsen bei einem Sparkonto ebenso verwehrt wie Tantiemen oder sonstige Einkünfte aus intellektueller Tätigkeit. „Mehr als 30 Lebensjahre zusammen mit dem Land und seinen Bürgern werden für uns auf der Straße enden, ohne Existenzgrundlage, unter ständiger Bedrohung durch Repressionen“, schrieb die Zeitung nun.

Ähnliche Artikel