Italiener löst Vettel ab Tränen und Jubel: Antonellis Krönung bei der Fiesta Mexicana
Ein heftiger Crash, Rote Flaggen, lange Unterbrechung: Kimi Antonellis Krönungsfahrt wird zur schweren Nervenprobe. Mit 20 Jahren und 68 Tagen bleibt er aber cool. Die Titelfiesta hat begonnen.
Kimi Antonelli weinte völlig überwältigt nur noch hinterm Steuer und brachte erstmal kein Wort heraus. „Weltmeister“, funkte sein Renningenieur Peter Bonnington. „Kimi, du hast es geschafft, Weltmeister“, gratulierte Teamchef Toto Wolff. Im ultimativen Formel-1-Stimmungstempel stieg grün-weiß-roter Rauch auf, Antonelli kletterte auf seinen Mercedes und ließ sich feiern als jüngster Weltmeister in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse.
„Ich bin dankbar für diesen Moment, einen, den ich nie vergessen werde“, sagte Antonelli, der von seiner stolzen und überglücklichen Familie in Empfang genommen wurde: „Ich bin sprachlos, ich versuche gerade zu begreifen, was gerade passiert ist.“
Bei der Nervenprobe in Mexiko-Stadt mit Unfällen, Roten Flaggen und einer zermürbend langen Pause krönte sich Antonelli mit 20 Jahren und 68 Jahren zum jüngsten Weltmeister in der Geschichte der Formel 1. Dem Italiener reichte vier Rennen vor dem Saisonende der dritte Platz auf dem ausverkauften Autodrómo Hermanos Rodríguez für den Titel in seinem zweiten Jahr in der Motorsport-Königsklasse.
GRANDE KIMI!! 💙 YOU ARE THE F1 WORLD CHAMPION!! 👑 pic.twitter.com/OO6kmAM3LY
— Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team (@MercedesAMGF1) November 1, 2026
„Nicht viele haben es geglaubt, aber wir haben es geglaubt“, sagte Wolff und blickte maximal verschmitzt. Dass Max Verstappen, viermaliger Weltmeister von Red Bull mit 29 Jahren als Sieger, und Lewis Hamilton, Rekordweltmeister (7 Titel) mit 41 Jahren von Ferrari als Zweiter mit Antonelli auf dem Podest standen, vereinte drei Generationen. Ein Bild für die Formel-1-Ewigkeit: Hamilton und Verstappen trugen ihn auf den Schultern.
„Jüngster Weltmeister ist phänomenal“, sagte Hamilton in Richtung Antonelli. „Ich bin sehr stolz auf ihn“, betonte Verstappen - Antonelli ist auch der Weltmeister der Herzen. „Ich freue mich schon auf die künftigen Kämpfe“, sagte der Italiener. Er ist der 36. Weltmeister der Formel 1, bis zu seinem Titeltriumph war Sebastian Vettel der jüngste Champion - er war 2010 beim ersten seiner vier Titel 23 Jahre alt.
Antonelli ist zudem der erste Weltmeister aus Italien seit 1953, als Alberto Ascari seinen Titel erfolgreich verteidigt hatte. Für den deutschen Mercedes-Rennstall ist es der erste Fahrertitel seit dem Triumph von Lewis Hamilton 2020.
Renningenieur schon mit Schumacher und Hamilton
Besonders nervös wirkte Antonelli nicht vor dem Rennen der Rennen seiner noch jungen Karriere, auch wenn er nach dem Meisterstück zugab: „Es war schon ein bisschen mehr Anspannung da an diesem Wochenende.“ Ein letzter Händedruck mit Bonnington, der schon mit Michael Schumacher und Hamilton bei Mercedes arbeitete, und los ging’s auch vor den Augen von Papa Marco und Mama Veronica und Schwester Maggie. 2017 und 2018 hatte Hamilton zwei seiner insgesamt sieben Titel in Mexiko-Stadt klargemacht. Nun war es Antonelli, der mit der italienischen Fahne ergriffen bei den Klängen von Nessun dorma auf dem Weltmeister-Podium stand.
Die Devise war klar: Bloß kein Crash am Start. Antonelli stand in der zweiten Reihe auf Position vier. Die Pole - die 105. seiner Karriere - hatte sich Hamilton gesichert und verteidigte sie zunächst, wurde dann aber hart attackiert von Teamkollege Charles Leclerc. „Ich bin von meinem Teamkollegen rausgedrückt worden“, wütete Hamilton. Er regte sich nicht mehr ab, die Strafe von fünf Sekunden für den Monegassen änderte daran nicht. Beruhigen wollte sich Hamilton danach nicht mehr.
Heftiger Unfall sorgt für Rote Flaggen
Zwischenzeitig hatte auch Antonelli mal die Führung übernommen, ehe er zum Boxenstopp reinkam. Sonst auch gern risikoreich, strapazierte Antonelli die Nerven seiner Crew, seiner Familie und seiner Fans diesmal nicht besonders. Zu viel stand auf dem Spiel, wenngleich der Titel nur eine Frage der Zeit war unter anderem nach seinen neun Siegen in diesem Jahr.
„Wir sind super happy mit dem Speed“, funkte Bonnington seinem Schützling: „Mach so weiter.“ Der Reifenwechsel hätte besser sein können, dann aber sorgte ein heftiger Einschlag von Valtteri Bottas für Rote Flaggen, das Rennen wurde unterbrochen. Die Radaufhängung brach auf der Geraden bei vollem Speed. Der Finne wirkte benommen, als er aus seinem Cadillac stieg.
Egal, was passierte: Antonelli blieb cool
Die anderen stellten ihre Autos in der Boxengasse ab. Antonelli zog sich das Headset auf, besprach sich mit seinem Renningenieur und setzte sich auf einen Klappstuhl. Es würde noch mal einen stehenden Start geben, auf diese zusätzliche Nervenprobe hätte der Italiener auch verzichten können. Über 40 Minuten dauerte die Pause. Doch er meisterte auch das, hielt sich beim Re-Start aus allem raus, um dann zuzuschlagen, als er Leclerc überholte und sich auf Rang drei vorschob.
Vorn kämpfte ein hochaggressiver Hamilton gegen Verstappen. Dahinter durfte Antonelli die Runden genießen, ehe er seinen Wagen abstellte und sich von den Fans feiern lassen durfte. Ein weiterer Crash, diesmal von Arvid Lindblad von den Racing Bulls, sorgte für eine weitere Safety-Car-Phase. Das Feld dicht nacheinander, beließ es Antonelli bei Rang drei bei seiner Triumphfahrt.