Hinter den Kulissen Was Aurichs Herbstmarkt-Besucher sonst nie zu sehen bekommen

Udo Hippen
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Von Udo Hippen
| 03.11.2026 07:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Faszination Volksfest: Schaustellerinstitution Theo von Halle (vorne links im Foto) berichtete über die Jahrmärkte als Publikumsmagneten und was es bedeutet, eine derartige Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Foto: Udo Hippen
Faszination Volksfest: Schaustellerinstitution Theo von Halle (vorne links im Foto) berichtete über die Jahrmärkte als Publikumsmagneten und was es bedeutet, eine derartige Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Foto: Udo Hippen
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Autoscooter von unten, Großkarussells aus nächster Nähe und ein Blick in den harten Schaustelleralltag: Bei der Backstage-Tour öffneten sich Türen, die dem Publikum normalerweise verschlossen bleiben.

Aurich - Wo sonst Musik dröhnt, Lichter blinken und der Duft gebrannter Mandeln über den Platz zieht, ging es am Sonntagvormittag einmal um die andere Seite des Herbstmarkts: um Technik, Organisation, Familienbetriebe und harte Arbeit. Bei der Neuauflage der Backstage-Tour „ON Tour“, zu der die Ostfriesischen Nachrichten gemeinsam mit dem Verein reisender Schausteller Ostfriesland eingeladen hatten, erhielten mehr als 30 Leserinnen und Leser exklusive Einblicke hinter die Kulissen des Volksfestes.

Durfte nicht fehlen: Neben der Theorie gab's auch die Praxis. Die Fahrt in den dem Großfahrgeschäft „Circus Circus“ ließ sich kaum ein Tour-Teilnehmer nehmen. Foto: Udo Hippen
Durfte nicht fehlen: Neben der Theorie gab's auch die Praxis. Die Fahrt in den dem Großfahrgeschäft „Circus Circus“ ließ sich kaum ein Tour-Teilnehmer nehmen. Foto: Udo Hippen

Geführt wurde der rund zweieinhalbstündige Rundgang von dem langjährigen Schausteller Theo von Halle, ehemaliges Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des Schaustellervereins, und Dennis Eden, Pressesprecher des aktuellen Vorstandes. „Herzlich willkommen, seien Sie unsere besonderen Gäste“, begrüßte Theo von Halle die Teilnehmer bei freundlichem Herbstwetter. Dann machte er gleich deutlich, worum es bei der Tour gehen sollte: um einen Blick auf den Herbstmarkt, wie ihn normale Besucher sonst nicht bekommen.

Berichtete aus seinem Schaustelleralltag: Christian Ewald erklärte den Teilnehmern anschaulich die Funktionsweise seines Karussells. Foto: Udo Hippen
Berichtete aus seinem Schaustelleralltag: Christian Ewald erklärte den Teilnehmern anschaulich die Funktionsweise seines Karussells. Foto: Udo Hippen

Erste Station war das Fahrgeschäft „Circus Circus“. Inhaber Christian Ewald aus Vechta erklärte den Teilnehmern anschaulich die Funktionsweise seines Karussells, das ein Besucher treffend als Mischung aus Krake und Break Dancer bezeichnete. Ewald, der das Fahrgeschäft gemeinsam mit einem Kompagnon betreibt, sprach aber nicht nur über Tempo und Wirkung, sondern auch über die logistischen Herausforderungen im Schaustelleralltag.

Mit einem solchen Großfahrgeschäft sei man als Schwerlasttransport auf den Straßen unterwegs, erläuterte er. Schon daran wurde deutlich, wie viel Planung, Genehmigung und Organisation hinter einem Marktgastspiel steckt. Theo von Halle sprach in diesem Zusammenhang von einem Glücksfall für Aurich: Solche Fahrgeschäfte seien sonst eher auf den ganz großen Festplätzen zu finden.

Interessantes aus der Mandelbrennerei: Schausteller Franz Langenscheidt gewährte Einblicke in das Handwerk und sprach über Familienrezepte. Foto: Udo Hippen
Interessantes aus der Mandelbrennerei: Schausteller Franz Langenscheidt gewährte Einblicke in das Handwerk und sprach über Familienrezepte. Foto: Udo Hippen

Wie eng auf dem Herbstmarkt Tradition und Professionalität zusammengehören, zeigte sich wenig später an der Mandelbrennerei von Franz Langenscheidt, dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands Wilhelmshaven. Er gewährte Einblicke in das Handwerk und sprach über Familienrezepte, die seit Jahren gehütet werden.

Zugleich machte Langenscheidt deutlich, wie streng die Anforderungen an mobile Betriebe heute sind. Man werde fast wöchentlich vom Gesundheitsamt kontrolliert, sagte er. Auf Volksfesten sei deshalb alles „tipptopp“. Für viele Teilnehmer war das ein interessanter Einblick in einen Bereich, den sie sonst vor allem mit Duft und Naschwerk verbinden.

Spaß für Jung und Alt: Die Fahrt mit der Achterbahn „Family Coaster“ sorgte für jede Menge Gaudi. Foto: Udo Hippen
Spaß für Jung und Alt: Die Fahrt mit der Achterbahn „Family Coaster“ sorgte für jede Menge Gaudi. Foto: Udo Hippen

Danach wartete mit dem „Family Coaster“ von Wesley Weber der zweite praktische Test auf die Gruppe. „Von außen sieht es langsamer aus, als es sich anfühlt“, sagte Weber. Nach drei rasanten Runden wussten die Teilnehmer, dass das keineswegs übertrieben war. Entsprechend gelöst und gut gelaunt ging es weiter.

Nicht jedermanns Sache: Nur wenige Teilnehmer der Gruppe trauten sich in das Überschlagskarussell „Salto Mortale“. Foto: Udo Hippen
Nicht jedermanns Sache: Nur wenige Teilnehmer der Gruppe trauten sich in das Überschlagskarussell „Salto Mortale“. Foto: Udo Hippen

Ein ganz anderes Kaliber war das gegenüberliegende „Salto Mortale“. Das moderne Überschlagskarussell verlangte den Mitfahrern sichtbar mehr Mut ab. Nur eine kleinere Gruppe aus der Runde stieg ein, kam aber begeistert wieder heraus. Schaustellerchef Timo von Halle brachte das Fahrgefühl knapp auf den Punkt: „Das schwingt sehr geschmeidig.“

Die nächste Generation: Schausteller Sascha Heine Junior berichtete über das Kinderkarussell seiner Familie. Foto: Udo Hippen
Die nächste Generation: Schausteller Sascha Heine Junior berichtete über das Kinderkarussell seiner Familie. Foto: Udo Hippen

Danach wurde es beschaulich: Schausteller Sascha Heine Junior gewährte Einblicke in das Kinderkarussell der Schaustellerfamilie Heine. Die Tour-Teilnehmer zeigten sich überrascht davon, wie viel Technik auch in einem vermeintlich kleinen Fahrgeschäft steckt.

Stärkung muss sein: Im Schwarzwaldhaus von Schausteller Steven von Halle (links im Foto) legte die Gruppe einen kurzen Stopp ein. Foto: Udo Hippen
Stärkung muss sein: Im Schwarzwaldhaus von Schausteller Steven von Halle (links im Foto) legte die Gruppe einen kurzen Stopp ein. Foto: Udo Hippen

Einen kurzen Zwischenstopp legte die Gruppe im Schwarzwaldhaus von Friederike und Steven von Halle ein. Bei einer kleinen Stärkung blieb Zeit zum Durchatmen und für Gespräche, ehe mit dem Besuch beim Autoscooter einer der Höhepunkte der Tour folgte.

So funktioniert ein Autoscooter: Betreiber und Schaustellerchef Timo von Halle (rechts im Foto) legt zur besseren Demonstration ein Fahrzeug auf die Seite. Foto: Udo Hippen
So funktioniert ein Autoscooter: Betreiber und Schaustellerchef Timo von Halle (rechts im Foto) legt zur besseren Demonstration ein Fahrzeug auf die Seite. Foto: Udo Hippen

Hier gewährte Timo von Halle den Teilnehmern einen besonders seltenen Einblick. Mit einer anschaulichen Demonstration legte er ein Fahrzeug auf die Seite und erklärte detailliert, wie ein Autoscooter technisch funktioniert. Gerade dieser Perspektivwechsel faszinierte viele Besucher. Was sonst als unkomplizierter Fahrspaß erscheint, zeigte sich plötzlich als ausgeklügeltes Zusammenspiel aus Mechanik, Aufbau und Erfahrung.

Zugleich schilderte von Halle, wie sehr sich die Arbeit im Schaustellergewerbe verändert hat. Heute könne man einen Autoscooter mit deutlich weniger Personal auf- und abbauen als noch vor Jahren. Auch das war für die Teilnehmer eine Erkenntnis: Hinter der vertrauten Oberfläche des Volksfestes steht eine Branche, die sich technisch und organisatorisch ständig weiterentwickelt.

Durfte nicht fehlen: Der Spaß bei der Fahrt im Autoscooter geht auch im Alter nicht verloren. Foto: Udo Hippen
Durfte nicht fehlen: Der Spaß bei der Fahrt im Autoscooter geht auch im Alter nicht verloren. Foto: Udo Hippen

Dass die Praxis bei einer solchen Tour nicht fehlen darf, verstand sich fast von selbst. Die obligatorische Fahrt im Autoscooter ließen sich deshalb viele aus der Gruppe nicht entgehen und stiegen mit sichtlicher Freude ein.

Gaudi für Jung und Alt: Der Gang durch den Spiegel-Irrgarten „Time Factory“ brachte viele Lacher hervor. Foto: Udo Hippen
Gaudi für Jung und Alt: Der Gang durch den Spiegel-Irrgarten „Time Factory“ brachte viele Lacher hervor. Foto: Udo Hippen

Die letzte Station führte die Gruppe zur „Time Factory“ der Schaustellerfamilie Hartmann-Griehs aus Iserlohn. Der große Spiegel-Irrgarten erwies sich als ebenso spaßiger wie passender Abschluss eines Rundgangs, der immer wieder zwischen Information, persönlicher Begegnung und Vergnügen wechselte.

Blicke in den Alltag der Schausteller: Die gut zweieinhalbstündige ON-Backstage-Tour zeigte eindrucksvoll, wie viel Arbeit hinter einem Volksfest steckt. Foto: Udo Hippen
Blicke in den Alltag der Schausteller: Die gut zweieinhalbstündige ON-Backstage-Tour zeigte eindrucksvoll, wie viel Arbeit hinter einem Volksfest steckt. Foto: Udo Hippen

Mit kräftigem Applaus bedankten sich die Teilnehmer am Ende bei Theo von Halle, Dennis Eden und den beteiligten Schaustellerfamilien. Die Neuauflage der ON-Backstage-Tour zeigte eindrucksvoll, wie viel Herzblut, Tradition, Organisation und technische Präzision hinter dem Auricher Herbstmarkt stecken. Für die Besucher war es ein Vormittag, der den Blick auf das Volksfest dauerhaft verändert haben dürfte: vorne Vergnügen, hinter den Kulissen ein anspruchsvoller Alltag.

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