Von der Kneipe in den Hörsaal Skat an der Uni: Gegenseitiges Helfen statt Meckerkultur

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Von dpa
| 03.11.2026 06:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Theodor Liebing zeigt Anfängern, wie sie ihr Skatspiel verbessern können.  Foto: Marvin Zubrod/dpa
Theodor Liebing zeigt Anfängern, wie sie ihr Skatspiel verbessern können. Foto: Marvin Zubrod/dpa
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An der HTWK Leipzig feilen junge Leute an ihren Skatfähigkeiten. Damit treten sie einem langfristigen Trend entgegen.

Mit Schmackes schmeißt Marten Fiedler seine Skatkarte auf den Tisch. Die Herz-Zehn liegt nun auf der Kreuz-Dame seines Mitspielers. Er hat sie also „geschmiert“, in der Hoffnung, möglichst viele Punkte zu sammeln. Martens Bruder Lukas verzieht keine Miene. Er hat kein Kreuz, aber auch keinen Trumpf mehr; muss also eine Karte abschmeißen und gibt so den nächsten Stich ab. Später verliert er das Spiel.

Ein lautes Ärgern oder süffisantes Freuen, so wie es in Kneipen beim Skat vielleicht früher einmal war, gibt es nicht. Die sieben jungen Leute, die sich an diesem Donnerstagabend zusammengefunden haben, sind zum Lernen gekommen. Einmal in der Woche bieten die Online-Weltmeister Florian Pieper und Theodor Liebing an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Skatunterricht an. Dass es dafür eine Nachfrage gibt, scheint zunächst zu überraschen. 

Mitgliederverluste trotz Aufnahme ins immaterielle Kulturerbe 

In den vergangenen zehn Jahren hat der Deutsche Skatverband 5.000 Mitglieder verloren und kommt nun auf etwa 14.000 Mitglieder, wie Vorsitzender Hans-Jürgen Homilius mitteilt. Ein Grund: Skat werde in der Familie seltener weitergegeben. Homilius vermutet, dass die Handynutzung dafür verantwortlich ist, die zu einer „Lähmung des familiären Zusammenlebens“ führe. 

Dabei gilt Skat als das Spiel der Deutschen. 2016 wurde es in das bundesweite Verzeichnis für immaterielles Kulturerbe aufgenommen, Jahre zuvor hatte Loriot in einem Sketch den vermeintlich verbissenen Skatspieler aufs Korn genommen. Sogar Einfluss auf die Sprache könnte das Spiel gehabt haben. Redensarten wie „aus dem Schneider sein“ oder „keinen Stich machen“ sind beim Skat geläufig. 

Allerdings finden sich keine klaren Belege dafür, dass diese Redewendungen aus dem Skat stammen, wie Merle Benter mitteilt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Ihr zufolge gibt es aber zumindest für „aus dem Schneider sein“ Hinweise dafür, dass diese Redewendung „aus dem Kontext des Kartenspielens“ stammt. Die erste aktenkundige Erwähnung von Skat stammt laut Verband aus dem Jahr 1813. Mehr als 200 Jahre später scheint die Zukunft des Spiels ungewiss.

Das sogenannte Deutsche Blatt ist in der Region rund um Leipzig populär.  Foto: Marvin Zubrod/dpa
Das sogenannte Deutsche Blatt ist in der Region rund um Leipzig populär. Foto: Marvin Zubrod/dpa

Skat läuft Schach und Poker hinterher

Können Initiativen an Unis den traditionsreichen Denksport retten? Timo Strömel ist beim Skatverband für junge Leute zuständig. Bundesweit hätten etwa zwischen 15 und 20 Hochschulstandorte ein Skat-Angebot, schätzt er. Doch auch Strömel berichtet von abnehmender Popularität. Die Einstiegshürde beim Skat sei relativ hoch. Wenn ein Anfänger mit einem Fortgeschrittenen spiele, könne schnell der Spaß verloren gehen. 

Geht es nach Joachim Schreiner, hat Skat eine Chance verpasst. Seit 20 Jahren ist er Vorsitzender des Deutschen Online-Skatverbands aus Zweibrücken, den er zuvor mit einem Team gegründet hat. Seit langem verliere Skat an Beliebtheit, sagt er. Selbst online könne man das kaum kompensieren, weil Skat, anders als Poker oder Schach, die Digitalisierung verschlafen habe. Etwa 25.000 aktive Spieler gibt es auf dem Server des Verbands, wie Schreiner berichtet. Nur etwa 500 bis 600 Leute seien jünger als 30, schätzt er. 

Zudem sieht Schreiner eine Verantwortung bei den älteren Spielern. Diese hätten es versäumt, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Jugendliche seien aus Vereinen „rausgeekelt“ worden, sagt er. Denn der „Löwenanteil“ der Skatspieler sei ein „übellauniger und primitiver Haufen“ gewesen. Dieser habe den Skattisch als „Freizone“ betrachtet, „um einen vermeintlich Schwächeren runterzuputzen“.

Am Tisch in Leipzig ist von solch einer Meckerkultur nichts zu spüren. Hier dominiert gegenseitige Hilfe beim Lernen. Lukas Fiedler nimmt die Niederlage gegen seinen Bruder daher gelassen. Skat sei für ihn einfach nur ein Hobby.

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