Fußball-Nationalmannschaft „Form schlägt alles“: Klopp holt Füllkrug und Teenager Mohya
Jürgen Klopp überrascht auch bei seiner zweiten Nominierung. In Wael Mohya steht wieder ein junger Neuling im DFB-Aufgebot. Praktisch doppelt so alt sind Rückkehrer Füllkrug und auch die Nummer eins.
Auf einem Barhocker sitzend, die Füße lässig verschränkt, erklärte Jürgen Klopp mit den Deutschland-Trikots als Requisite im Rücken seine wieder mit Überraschungen gespickte Personalauswahl. Comeback für den 33 Jahre alten Bundesliga-Toptorschützen Niclas Füllkrug, Debüt für den erst 17 Jahre alten Wael Mohya. Aber keine Berufung für Nick Woltemade, Flügelflitzer Karim Adeyemi oder Routinier David Raum.
Der Bundestrainer setzt seinen Erneuerungskurs bei der Fußball-Nationalmannschaft mit einem Mix der Generationen fort. Zur Nummer eins erklärte er in dem via DFB-TV verbreiteten Nominierungs-Interview Marc-André ter Stegen (34) - wegen der größeren Erfahrung im Vergleich zu den Torwart-Herausforderern Jonas Urbig (23) und Alexander Nübel (30).
„Form schlägt alles andere, deswegen haben wir uns für die Jungs entschieden“, begründete Klopp die für ihn selbst ungeheuer schwierige Auswahl. Der historische XXL-Kader von seinem Bundestrainer-Debüt im September ist Vergangenheit - genau die Hälfte der 44 Profis ist beim Jahresabschluss in der Nations League am Freitag kommender Woche in Serbien und drei Tage später im Berliner Olympiastadion gegen die Niederlande nicht mehr dabei.
„Wir haben in der Mannschaft einen bunten Mix aus sehr jung und durchaus erfahren dabei. Es war nach dem 44er-Kader im September schwer, diese Auswahl zu treffen, weil, und das ist eigentlich die gute Nachricht, es wieder mehr Spieler verdient hätten, dabei zu sein“, sagte Klopp.
Diesmal 24 Spieler im Kader
Füllkrug und Mohya sind die einzigen Spieler, die Klopp bei seiner Premiere noch nicht berufen hatte und jetzt dazuholte. Und das so unterschiedliche Duo wurde von dem 59-Jährigen in dem diesmal 24 Spieler umfassenden Kader natürlich besonders hervorgehoben.
Teenager Mohya - ein Bundesliga-Senkrechstarter trotz der Krise von Borussia Mönchengladbach - ist der einzige echte Neuling im A-Team. „Es gibt nicht viele 17-Jährige, die aktuell Bundesliga spielen - das alleine ist ja schon ein herausragendes Merkmal. Aber er macht es auch gut“, sagte Klopp. Die drei Gespräche mit dem Youngster seien „top“ gewesen, verriet der Bundestrainer: „Ich war mit 17 nicht so selbstbewusst, aber ich war auch nicht so gut mit 17.“
Junioren-Nationalspieler Mohya soll bei den Großen reinschnuppern, sich zeigen. Dieses Prinzip will Klopp auch künftig auf dem Weg zur EM 2028 mit anderen Nachwuchsakteuren fortführen, kündigte er an.
Klopps freudiges Gespräch mit Füllkrug
Fast doppelt so alt wie der offensive Mittelfeldspieler Mohya ist der 33-jährige Füllkrug. Der Angreifer von Werder Bremen gehört trotz zuletzt von Klopp geäußerter Zweifel ob dessen fortgeschrittenen Fußball-Alters zum Aufgebot für den Abschluss der Gruppenphase der Nations League.
„Ich bin jetzt nicht mit all meinen Aussagen, die ich in Halbzeit-Interviews getroffen habe, so glücklich“, sagte Klopp dazu lächelnd, „aber als ich über Fülle gesprochen habe, habe ich nur Fakten aufgezählt“. Klopp ergänzte: „Es war eine Freude, die Entscheidung zu treffen und es war auch eine Freude, sie ihm mitzuteilen.“
Füllkrug hatte zuletzt im September 2025 noch unter Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann zum DFB-Kader gehört. Sein letztes Länderspiel bestritt er im Final Four der Nations League im Juni 2025 beim 0:2 gegen Frankreich im Spiel um Platz drei. Sein letztes DFB-Tor liegt schon mehr als zwei Jahre zurück: Beim 5:0 gegen Ungarn traf er im September 2024.
Woltemade nicht dabei
Obwohl Füllkrug auch unter Nagelsmann und dessen Vorgänger Hansi Flick oft nur als Joker zum Zug kam, hat der Routinier mit 14 Toren in 24 Länderspielen eine Top-Quote im DFB-Trikot. Auch unter Klopp dürfte er als Backup hinter Kai Havertz eingeplant sein. Argumente für die Rückkehr erarbeitete er sich mit zwölf Toren in zehn Pflichtspielen für Werder.
Gestrichen wurden neben zahlreichen Neulingen von Mika Baur bis Bambasé Conté auch die Offensivspieler Woltemade und Adeyemi sowie Linksverteidiger Raum. Für alle gelte aber der Grundsatz: „Wir wären verrückt, wenn wir Türen zumachen würden“, machte Klopp deutlich. Gerade Woltemade konstatierte er eine eigentlich gute Form in einem schwierigen Umfeld bei Juventus Turin. Aber: „Die absolute Torgefahr geht ihm ab.“
Treu schon Stammkraft
Eine weitere Chance erhalten die zuletzt schon berücksichtigten Neulinge Derry Scherhant und Younes Ebnoutalib. Philipp Treu, die neue Stammkraft als rechter Außenverteidiger, ist für Klopp ein Phänomen. „Er hat sich in kürzester Zeit vom kompletten Neuling zum etablierten Spieler entwickelt, das ist zwischen zwei Frühstücken passiert“, sagte der Bundestrainer über den Freiburger.
Ohne Länderspieleinsatz im Kader sind auch noch Finn Jeltsch und Brajan Gruda, der im September nach seiner Nominierung hatte verletzt absagen müssen. Verletzt passen mussten diesmal wegen Muskelblessuren die Bayern-Profis Jamal Musiala und Serge Gnabry.
Viertelfinale als Ziel
Der sportliche Auftrag ist klar, wenn Klopp am Montag die DFB-Elf letztmals im langjährigen DFB-Stammquartier Homeground in Herzogenaurach versammelt. Die Nationalmannschaft rangiert in der Gruppe 2 der A-Liga nämlich nach vier Spielen nur auf dem dritten Platz. Die Niederlande und Griechenland haben je drei Punkte mehr auf dem Konto. Nur die Teams auf den Plätzen eins und zwei qualifizieren sich für das Viertelfinale der Nations League. Noch droht der DFB-Elf sogar der historische Abstieg aus der Top-Liga.