Wohnungsmarkt-Analyse

Kaum Wohnraum für Geringverdiener in Emden

03.02.2021 18:04 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Die Mieten für einfache Wohnungen in Emden sind stark gestiegen – und zwar fast viermal schneller als die Verbraucherpreise. Das ergab eine Analyse des Pestel-Instituts. Derweil soll ein neu eingeführtes Gütesiegel helfen, einen fairen Vermieter zu finden.

Emden - In der Stadt Emden gibt es kaum Wohnraum für Geringverdiener. Das ergab eine Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover. Bei der Analyse des Forschungsinstituts lag der Schwerpunkt auf Haushalten mit einem niedrigen Einkommen. Demnach sind die vom Job-Center übernommenen Mieten für Single-Haushalte innerhalb von gut sechs Jahren (März 2014 bis August 2020) um 20,4 Prozent gestiegen. Dabei legten die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zu. Den Grund für den starken Mietpreisanstieg für einfache Wohnung – bei einem insgesamt nahezu ausgeglichenen Wohnungsmarkt – sieht das Pestel-Institut in einer unzureichenden Wohnungspolitik in Emden.

„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Job-Center‘ als ‚zuverlässige Zahlstelle‘. Diese übernehmen zwar nur die Kosten für Wohnungen ‚einfachen Standards‘. Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen“, wird der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, in einer Pressemitteilung zitiert. Das Angebot an günstigen Wohnungen sei rar. „Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, um Maximalmieten zu erzielen.“

„Staat agiert als Mietentreiber“

Um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen, gibt es jetzt ein Mieter-Gütesiegel: „Meinfairmieter“ prüft als Wohnungsmarkt-Label insbesondere die soziale Verantwortung von Vermietern. Das Siegel ist laut Matthias Günther ein „Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt“ – und für weite Teile der Bevölkerung relevant: Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor: Vom Mindestlohnbezieher über Alleinerziehende bis hin zu Rentnern, die ihre kleine Rente mit einem Minijob aufbesserten.

„Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptierten muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen“, so Matthias Günther. Aber auch unter den Vermietern macht sich zunehmend Unmut breit. Vor allem die vielen noch vorhandenen Wohnungsgesellschaften in öffentlichem Eigentum und die Genossenschaften fühlen sich zu Unrecht in der Schublade der „gierigen Vermieter“ wieder.

Faire Vermieter sind nun erkennbar

„Gerade beim Grundbedürfnis Wohnen kann der Grundsatz, dass der Gebrauch von Eigentum zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll, nicht stark genug betont werden“, so Günther.

Auch hinter der Wohnungsmarkt-Analyse für Emden steht das Gütesiegel „Meinfairmieter“. Faire Vermieter, ob öffentlich, genossenschaftlich oder privat, müssen entsprechend für die Wohnungssuchenden erkennbar sein. In der Schaffung von Markttransparenz wird ein Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels gesehen.