Was Sie heute wissen sollten
Abschiebung | Impftermine | Kino-Sehnsucht
Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.
Es ist ein heikles Thema und in der Bevölkerung höchst umstritten: Dürfen Flüchtlinge, die keinen Aufenthaltsstatus in Deutschland haben, in ein Bürgerkriegsland wie Afghanistan abgeschoben werden. In Niedersachsen gibt es einen vier Jahre alten Erlass, der dies verbietet, mit einer Ausnahme: Menschen, die hier als „Gefährder“ oder „Straftäter“ auffällig geworden sind. Wobei die Einstufung Straftäter sich ausdrücklich auf „schwere Straftaten“ bezieht, was immer das auch ist. Darunter fallen nach Auffassung des Innenministeriums sieben junge Männer, die am Dienstagabend ins Flugzeug nach Afghanistan gesetzt werden sollten. Bei einem von ihnen, einem drogensüchtigen Mann, wohnhaft in Leer, setzte der Flüchtlingsrat die Aussetzung der Abschiebung durch. Das Oberverwaltungsgericht Oldenburg überprüft nun die Rechtmäßigkeit der Abschiebung, sprich ob Drogendelikte als „schwere Straftaten“ zu bewerten sind. Daniel Noglik hat den Konflikt aufgearbeitet.
Der junge Mann aus Leer war 2015 nach Deutschland gekommen. Er wollte vermutlich das Gleiche wie die vier Schwestern aus Syrien, die mit ihren Familien in der Samtgemeinde Holtriem heimisch geworden sind: „Ein stinknormales Leben“. Sie wünschen sich eine Arbeit, ein Auto, ein Haus. Das erzählen sie im Gespräch mit Susanne Ullrich. Sie wollen ihr eigenes Geld verdienen, nicht auf Unterstützung vom Staat angewiesen sein. Das allerdings ist nicht so leicht umzusetzen. Aber sie haben gute Unterstützung: von den Integrationslotsen Bärbel und Axel Moeller aus Westerholt. Wo ein Wille, da ist vielleicht auch ein Weg.
Allein der Gedanke daran ist schon ein Alptraum, und zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen: In einem Aufenthaltsraum einer Behinderteneinrichtung der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) am Großen Meer in Bedekaspel (Gemeinde Südbrookmerland) ist gestern Abend die Zwischendecke eingestürzt. Kurz zuvor hatten die 20 Bewohner in diesem Raum zu Abend gegessen. Ein Großeinsatz für die Feuerwehr, die vor allem die besonnenen Reaktionen der Mitarbeiter lobten. Die Bewohner wurden in anderen Einrichtungen untergebracht. Über die Ursache des Unglücks ist noch nichts bekannt. Marion Luppen war vor Ort. Sven Schiefelbein trug die Informationen in der Redaktion zusammen.
Die Impferei ist schon ein arges Chaos. Im Impfzentrum Hesel werden, wie gestern berichtet, keine Jugendlichen geimpft, im Impfzentrum Georgsheil stehen Impflinge trotz Termins vor verschlossenen Türen. Zum Beispiel Dieter Emler aus Aurich, der am Montagnachmittag seine zweite Impfung bekommen sollte. Aufgrund geringer Nachfrage waren die Mitarbeiter früher heimgegangen, die Impflinge sollten per Mail über die Impfhotline des Landes informiert werden. Das klappte aber offenbar nicht bei allen. Es sei ein „bedauerlicher Einzelfall“ gewesen, sagte Marcel Schäfer, der Leiter des Kreisordnungsamtes, auf Anfrage von Marion Luppen. Emler bekam seine Spritze am nächsten Morgen.
Derweil erhält die Stadt Emden erneut eine Sonderlieferung an Impfdosen. Am 17. Juli wird das Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson verimpft. 1100 Dosen stehen zur Verfügung. Geimpft werden Emder zwischen 18 und 59 Jahren. Der Vorteil des Vakzins ist, dass nur eine Dosis notwendig ist. Bisher sind etwa ein Drittel der Bürger vollständig geimpft. Dr. Dirk Obes, stellvertretender Leiter des Emder Gesundheitsamtes, strebt eine Quote von 80 Prozent an.
Die von Lärm und Erschütterungen geplagte Bürger, die in Leer entlang der Bahnlinie nach Oldenburg wohnen, bekommen endlich Unterstützung. Nach Monaten OZ-Berichterstattung darüber. Na klar, es ist Wahlkampf. Außer Gitta Connemann und Beatrix Kuhl (beide CDU) waren auch Julian Pahlke (Grüne) und Ferhat Asi (FDP) zum Gespräch mit den Anwohnern des Gebietes etwa zwischen Liebig- und Mittelweg gekommen. Hanne Modder (SPD) hat sich für einen späteren Termin angesagt. Ob die Unterstützung etwas bringt, wird Katja Mielcarek berichten, ganz sicher.
Gar nicht so überzeugend ist die Politik beim gegenwärtigen Spiel um Luftfilteranlagen in Schulen. Erst wurden sie komplett abgelehnt, seit dieser Woche sollen bestimmte Anlagen gefördert werden. Ein Durchbruch ist das allerdings nicht, wie Andreas Ellinger herausgefunden hat. Denn die geförderten Maßnahmen sind nicht so wirkungsvoll wie die, die drei Mütter per Klage beim Verwaltungsgericht durchsetzen möchten. Noch dazu gibt es widersprüchliche Aussagen der verschiedenen Ministerien. Was Fachleute zu den Vorschlägen und Ankündigungen aus Hannover sagen, lesen Sie hier.
Die Sehnsucht nach Normalität, wie sie die vier Schwestern aus Syrien haben, betrifft, natürlich in anderer Weise uns alle. Ein normales Leben, ohne Pandemie, ohne Abstand. Ein weiterer Schritt dahin wurde am 1. Juli vollzogen, als die Kinos öffneten. Erste Bilanz nach einer Woche: „Wir sind sehr, sehr zufrieden“, sagt Kinobetreiberin Astrid Muckli. Sie sei geradezu „überwältigt“ vom Rückhalt der Kinobesucher, berichtete sie Imke Kluth. Und wenn Sie vielleicht wieder Lust haben einen Film auf großer Leinwand anzuschauen, dann erfahren Sie hier, was dieses Wochenende in den örtlichen Kinos läuft. Genießen Sie’s - und vergessen Sie das Popcorn nicht.
Was heute wichtig wird:
- Mehr als 100 Menschen leben in Leer unter unwürdigen Verhältnissen, ohne das die Gesellschaft davon Notiz nimmt. Sie sind Opfer des Grauen Wohnungsmarkts. Katja Mielcarek hat mit Menschen gesprochen, die seit Jahren gegen das Elend kämpfen.
- In der Gemeinde Uplengen wird über eine Baumschutzsatzung debattiert. In anderen Orten griff man schon zur Kettensäge, als in den Rathäusern noch darüber diskutiert wurde. Vera Vogt berichtet.
- Immer mehr Menschen nutzen für ihre Projekte das Crowdfunding. Einer von ihnen ist Theo Schneider. Der Bio-Landwirt sucht Unterstützer für seinen Bio-Hofladen. Jens Schönig fragt, ob es funktioniert?
- Reetdächer liegen im Trend, auch in Ostfriesland. Doch das Handwerk hat Zukunftssorgen: Reet aus der Region wird immer mehr zur Mangelware, ebenso der Nachwuchs an Fachkräften. Imke Kluth sprach mit Handwerkern aus der Region.
- Vor dem Amtsgericht Aurich geht der Fall Moroni weiter. Der Norderneyer Rechtsanwalt hatte sich im November geweigert, auf der Bülowallee der Insel einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Fällt heute das Urteil? Marion Luppen wird berichten.
- Die SPD in Emden vollzieht einen Generationswechsel. Am nächsten Wochenende soll bei der Delegiertenkonferenz der Fahrplan für das Wahljahr festgelegt werden. Wo steht die SPD? Gordon Päschel analysiert.
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