Was Sie heute wissen müssen

Proteste gegen Neubauten | Gewaltaufrufe gelöscht | Der schönste Tag im Leben

Eine Kolumne von Joachim Braun
 | 14.01.2022 06:26 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Ein Widerspruch, der nicht auflösbar erscheint: Wenn Einfamilienhäuser abgerissen und durch mehrgeschossige Wohnhäuser ersetzt werden, protestieren die Anwohner. Sie taten dies zuletzt in Moormerland, auch in Leer ist dies immer wieder ein Thema und aktuell in Wiesmoor. Dabei reduziert der Bau größerer Häuser im Unterschied zu flächenzehrenden Einzel- oder Doppelhäusern die Landschafts-Versiegelung und kann somit auch als Beitrag zum Naturschutz betrachtet werden. In Wiesmoor protestieren jedenfalls Anwohner gegen vier gut elf Meter hohe und zwei neun Meter hohe Wohnblöcke auf einer an bestehende Häuser angrenzenden Fläche. „Wir befürchten Wertminderungen unserer eigenen Objekte, eine steigende Lautstärke und eine Verschlechterung des Grenzwegs durch die erhöhte Verkehrsbelastung“, sagt Anwohnerin Gisela Uplts. Niklas Homes hat mit ihr und anderen Anwohnern gesprochen. Wenn ich mir die Fotos der geplanten Häuser anschaue, dann wird schon klar, dass die Empfindlichkeit steigt, je ländlicher das Ambiente ist.

Wesentlich größer als das Neubaugebiet in Wiesmoor ist „Conrebbersweg-West“ in Emden, von den Kollegen auch gerne als „Mega-Baugebiet“ bezeichnet. Dort gibt es schon lange Protest, weil ökologisch wertvolle Flächen zerstört werden. Im Herbst reichte der Nabu Klage ein, und auch Grünen-Stadtrat Bernd Renken könnte mit seinem Vorstoß die weitere Erschließung durchaus verzögern. Er widerspricht nämlich der nichtöffentlichen Festlegung der Verkaufspreise durch den Emder Rat im Dezember. Die Diskussion hätte öffentlich stattfinden müssen, weshalb der Beschluss nichtig sei. Und wie Monas Hanssen recherchiert hat, gibt es eine ganze Menge Argumente dafür, dass Renken Recht hat. Wenn Sie meine Meinung wissen wollen: Ich bin immer wieder erschüttert darüber, mit welchem Selbstverständnis Kommunalpolitiker in Ostfriesland von Rechts wegen öffentliche Themen hinter verschlossenen Türen abhandeln. Das habe ich in anderen Regionen so nicht erlebt, nicht einmal im CSU-Habitat Bayern.

Noch am Mittwoch behauptete Johann Redenius aus Rhauderfehn, die Telegram-Identität „Jockel 2012“, unter deren Namen Gewaltaufrufe verbreitet wurden, sei ihm gestohlen worden, weshalb er auch Anzeige erstattet hatte. Gestern gab er zu, dass dies eine Lüge war: „Jockel 2012, das bin ich. Da stehe ich zu“, äußerte er in einer Sprachnachricht gegenüber seinen Anhängern und löschte die von ihm gegründete Telegram-Gruppe mit dem Namen „Unsere Farben, unser Land - Schwarz Rot Gold war gestern!!!“. Dort war unter anderem zur Ermordung von RKI-Chef Lothar Wieler aufgerufen worden. Davon will Redenius nichts mehr wissen, auch an den unangemeldeten Querdenker-Spaziergängen montags in Leer, die er organisiert hatte, will er nicht mehr teilnehmen. „Ich habe keine Lust, dass ich irgendwo angefeindet werde.“ Der Arme, am Ende bekomme ich noch Mitleid. Tobias Rümmele berichtet. Und er zweifelt ebenfalls an der Läuterung Redenius‘. „ Kein Demonstrant darf künftig noch beteuern, man habe nicht gewusst, mit wem man gemeinsame Sache macht “, schreibt er in seinem Kommentar.

Wie am morgigen Samstag in Emden gibt es nun auch am Montag in Aurich eine Gegendemonstration zu den Querdenker-“Spaziergängen“. Die Linksjugend Aurich ruft zu einer „Kundgebung gegen Hass und Demokratiefeindlichkeit“ auf. Die Gegenkundgebung ist im Unterschied zum „Spaziergang“ ordnungsgemäß bei der Stadt angemeldet worden. Organisator Kai Beitelmann, Pressesprecher der Linksjugend Aurich und gerade mal 16 Jahre alt, rechnet mit rund 50 Teilnehmern. Außerdem: „Das wird friedlich bleiben. Von uns geht keine Gewalt aus, absolut nicht, und ich denke auch, dass die Spaziergänger friedlich bleiben.“ Stadt und Polizei sind jedenfalls vorbereitet, wie Marion Luppen berichtet.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das neue Kita-Gesetz hat Gutes im Sinn, nämlich mehr Betreuerinnen für die Kinder einzusetzen. Was aber hilft eine solche Anforderung, wenn das Personal gar nicht vorhanden ist? Dann wird es schlimmer statt besser. Der veränderte Personalschlüssel „stellt jetzt die meisten Kitas vor Probleme“, sagt Melanie Krause, Vorsitzende des Kita-Fachkräfteverbands für Niedersachsen und Bremen. Aus ihrer Perspektive sei die Neuregelung zwar richtig, aber kurzfristig nicht umsetzbar. Die Folge: Ganztagsgruppen würden eingekürzt. Das stelle die berufstätigen Eltern natürlich vor große Herausforderungen. Mona Hanssen hat mit Krause und mit Kita-Leitungen vor Ort gesprochen.

Der schönste Tag im Leben, der Hochzeitstag, wurde die vergangenen fast zwei Jahre von der Pandemie überschattet. Oder die Paare warten auf das Ende von Corona, um dann richtig feiern zu können. Heiko Müller hat nachgefragt und kommt zu dem uneindeutigen Ergebnis: „ Ostfriesen vergeht die Heiratslust 2021 nicht ganz“ . In Emden zum Beispiel ging die Zahl der Eheschließungen nur um gut ein Zehntel zurück. In Leer stieg sie sogar um einen ähnlichen Prozentsatz. Und auch das Interesse an ungewöhnlichen Trauorten ist ungebrochen. Lesen Sie’s, erinnern Sie sich an die eigene Trauung oder freuen Sie sich auf das, was noch kommen mag - und gehen Sie unbedingt ganz entspannt ins Wochenende. Alles wird gut!

Was heute wichtig wird:

  • Wird es in diesem Jahr Osterfeuer geben? Die CDU im Kreistag Leer hält sie für unbedingt notwendig, es liege überall noch so viel Strauchschnitt herum. Landkreis und das Sozialministerium sind dagegen. Karin Lüppen berichtet.
  • Als Partner im Home-Office waren sie der Renner, mit einer Schleife auf dem Kopf unterm Baum vielleicht auch. Werden Hunde und Katzen nun ausgesetzt? Vera Vogt besucht das Stapelmoorer Tierheim und schaut nach
  • Ein Mann soll im Februar 2021 die Quarantäne gebrochen haben, um zum Hausarzt zu gehen. Der Landkreis Aurich verhängte ein Bußgeld von 1000 Euro. Dagegen legte der Mann Widerspruch ein. Bettina Keller berichtet von der Verhandlung am Amtsgericht Aurich.
  • Die großen Interessenverbände der Offshore-Windenergie machen Druck auf die neue Bundesregierung. Sie soll ihren Ankündigungen Taten folgen lassen. Wie sehen das die Küstengemeinden? Imke Oltmanns hat nachgefragt.
  • Johann Saathoff (SPD) hat mit weiteren Bundestagsabgeordneten und Interessierten eine parlamentarische Gruppe Plattdeutsch ins Leben gerufen. Claus Arne Hock hat er erklärt, was es damit auf sich hat.
  • Die Stadt Emden will an diesem Freitag im Gespräch mit Vertretern der örtlichen Medien einen Ausblick auf das neue Jahr geben. Stephanie Tomé bringt in Erfahrung, was sich die Verwaltung für Ziele steckt.

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