Was Sie heute wissen müssen
Schluck aus der Pulle | Verschwörernest Hochschule | Kuscheln Sie mal wieder
Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.
Omikron hat gestern in Ostfriesland einen dicken Schluck aus der Pulle genommen: 522 Neuinfektionen, damit gelten 1929 Ostfriesen als infiziert, 313 mehr als am Mittwoch. Allein der Landkreis Leer hat mit knapp 400 eine um ein Drittel höhere Inzidenz als am Tag zuvor. Gleichwohl liegt in der gesamten Region nur ein schwer Erkrankter auf der Intensivstation, in Emden.
Ein Superspreader-Ereignis gibt es im Landkreis Leer allerdings nicht, für die schnelle Ausbreitung ist vor allem Omikron zuständig. Viele Schulen und Kitas, aber auch Altenheime sind betroffen. Es gibt „unzählige kleine Infektionsherde“. Die dynamischen Entwicklungen zwingen das Gesundheitsamt erneut zu einem Strategiewechsel. „Die aktuelle Lage zwingt uns dazu, bei der Kontaktnachverfolgung die Kontaktpersonen zu kategorisieren und Schwerpunkte zu setzen“, wird die Leiterin des Gesundheitsamtes, Heike de Vries, in einer Mitteilung zitiert. Man setze bei der Ermittlung und Benachrichtigung von Kontaktpersonen auf die Bearbeitung von größeren Geschehen in Einrichtungen, Kitas und Schulen sowie auf den Schutz vulnerabler Gruppen, also besonders gefährdeter Menschen wie beispielsweise Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. Was das heißt? Nicht mehr jede Kontaktperson werde routinemäßig vom Gesundheitsamt benachrichtigt. Trotzdem muss sie in Quarantäne.
Damit Gesundheitsämter bei Corona-Infektionen Kontaktketten nachvollziehen und weitere Ansteckungen verhindern können, sind Bürger verpflichtet, in bestimmten Fällen ihre Daten preiszugeben. Zum Beispiel über die Luca-App, die dadurch in Verruf geraten ist, nicht zuletzt, weil sich die Polizei auf umstrittene Weise Informationen besorgt hat. Wie Ole Cordsen recherchiert hat, versuchte dies auch die Auricher Polizei. Sie wollte die Daten aller Gäste am 25. Juli vorigen Jahres von der Diskothek Deckers in Großefehn erfragen – weil sie wegen einer Straftat an Minderjährigen ermittelten, wonach „sich weitere Sexualstraftaten zu deren Nachteil entwickelt haben“, so die Polizei. Hier blieb es beim Versuch, an die Daten zu kommen. Aber als Betriebsleiter Hendrik Becker sich weigerte, wurde es ihm zufolge ungemütlich. Die Polizei machte Druck, dabei war Becker im Recht.
Die Hochschule Emden/Leer ist per se unpolitisch, aber in ihrem Schoß gedeihen interessante Gewächse. Nicht nur Prof. Reiner Osbild, ehedem Kreisvorsitzender der AfD Ostfriesland (so klar ist das ja nicht) und Verschwörungsfreund, sondern auch ein anderer Mitarbeiter: Dozent, Diplom-Sozialarbeiter und Pädagoge. Auf den Demonstrationen der Coronamaßnahmen-Gegner in Emden tritt er sowohl als Redner als auch als Filmer auf. In Hochschulkursen verbreitet der Mitarbeiter mehr oder weniger direkt Ansichten, die dem verschwörungsideologischen Spektrum zuzuordnen sind oder zumindest einer wissenschaftlichen Prüfung nur schwerlich standhalten dürften. So gab er Studierenden als Textverarbeitungsübung einen „Querdenker“-Text. Studierende gab er eine Umfrage, in der unter anderem abgefragt wurde, wie die Studierenden zu den Corona-Maßnahmen stehen und ob diese versuchen, die Checkpoints, an denen die notwendigen Impf- und Testnachweise kontrolliert werden, zu umgehen. In seinem Schlepptau engagieren sich mindestens zwei Studentinnen, wie Claus Hock in seiner sehr lesenswerten Geschichte recherchiert hat. Die Hochschulleitung macht jedenfalls keine wirklich gute Figur.
Einen Link zur Hochschule Emden/Leer hat auch eine andere Geschichte. Die Professoren Walter Neu und Thomas Schüning, die Väter der Hyperloop-Forschung in Emden möchten die ehemalige Transrapid-Strecke in Lathen gerne erhalten, um dort praktische Forschung betreiben zu können. Ganz andere Pläne haben David Harder (18) aus Meppen und Leon Cordes (19) aus Leer. Sie engagieren sich im Förderverein Transrapid Emsland. Die beiden jungen Männer sind fasziniert von der im Emsland erprobten Magnetschwebebahntechnik. Sie wollen helfen, die Anlage von ihrem Image als „Lost Place“ (Verlorener Ort) zu erlösen. Gerd Schade hat mit ihnen gesprochen.
Corona hat gezeigt, wie leistungsfähig, aber auch wie fragil unser wirtschaftlich orientiertes Gesundheitssystem ist. Der Trend geht gerade bei den Krankenhäusern zur Größe, was sehr umstritten ist, weil es zulasten der gewohnten wohnortnahen Versorgung geht. Die Niederlande, die bei vielen Themen richtig gut sind, haben dies schon vor vielen Jahren umgesetzt. Und nun planen Niedersachsens Regierungsfraktionen SPD und CDU eine umfassende Strukturreform. Die medizinische Versorgung im Land soll verbessert werden – mit weniger Krankenhäusern. Ostfriesland wird dabei mit dem geplanten Zentralklinikum in Uthwerdum eine wichtige Rolle spielen. Denn sogenannte Maximalversorger mit einer Mindestgröße von 600 Betten – in Uthwerdum sind sogar mehr als 800 Betten geplant – sollen die Spitze des Versorgungssystems darstellen. Petra Herterich und Martin Teschke berichten.
Wussten Sie’s? Heute ist der Welttag der Jogginghose. Aber nicht nur das. Es ist auch Welt-Kuschel-Tag. Diese Vorlage hat sich Nikola Nording nicht entgehen lassen. Was Kuscheln für uns eigentlich bedeutet, darüber hat sie mit Experten gesprochen: mit einer Hebamme, einer Spielwarenladen-Chefin, einer Paartherapeutin, einem Neurologen - und einer Bordellbetreiberin. Lassen Sie sich inspirieren und nehmen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin heute mal ganz unerwartet in den Arm.
Was heute wichtig wird:
- Auf dem jüdischen Friedhof in Bunde wurden Ende November 2021 Grabsteine massiv beschädigt. Ein Dummer-Jungen-Streich oder eine Tat mit antisemitischem Hintergrund? Tatjana Gettkowski hat nach dem Ermittlungsstand gefragt.
- Landwirte adressierten ein Video an den neuen Bundes-Landwirtschaftsminister Cem Özdemir. Nicole Böning hörte sich in der Region um: Was erwarten die Auricher Landwirte von der neuen Regierungskoalition?
- Die Staatsanwaltschaft Aurich wirft einem 32-Jährigen aus dem Landkreis Leer die Vergewaltigung seiner Ex-Partnerin sowie schweren sexuellen Missbrauch zweier Kinder vor. Heute soll das Urteil fallen. Bettina Keller berichtet.
- Ein Norder will eine Mahnwache abhalten, um auf das Schicksal von Gewaltopfern aufmerksam zu machen. Er selbst hat viel ertragen müssen. Unter anderem wurde er vor 40 Jahren in Norden gewürgt. Claus Arne Hock ist der Geschichte nachgegangen.
- Solidarität mit Entwicklungsländern: Die Gründer des Weltladens in Emden, Gesine und Alke Janssen aus Uttum, ziehen sich zurück. Mona Hanssen spricht mit ihnen über die Ursprünge und die Zukunft des Ladens.