Interview Mirko Malec – zwischen Anerkennung und Kritik

| | 29.06.2026 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 11 Minuten
Mirko Malec engagiert sich und tut Gutes. Dafür wurde er jüngst geehrt. Er veröffentlicht aber auch Videos im Internet, die von manchen kritisiert werden. Foto: Henrik Zein/Archiv
Mirko Malec engagiert sich und tut Gutes. Dafür wurde er jüngst geehrt. Er veröffentlicht aber auch Videos im Internet, die von manchen kritisiert werden. Foto: Henrik Zein/Archiv
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Mirko Malec ist Unternehmer und sozial engagiert. Er macht aber auch Online-Videos, in denen er oft über Kriminalität von Menschen mit (mutmaßlichem) Migrationshintergrund spricht. Das wird kritisiert.

Rhauderfehn/Ostfriesland - Er hatte 2024 am Hahnentanger See einen Mann gestoppt und anschließend die Polizei eingeschaltet, nachdem er einen sexualisierten Übergriff auf einen damals 13 Jahre alten Jugendlichen in einem Zelt bemerkt hatte. Danach half er, den Mann auch für weitere Taten vor Gericht zu bringen: Dafür wurde Mirko Malec vom Bürgermeister in Rhauderfehn geehrt. Malec veröffentlicht auch Videos in sozialen Netzwerken, tut dort seine Meinung kund. Manche feiern ihn dafür, andere kritisieren ihn.

Der Grund: Schnell bekommt man den Eindruck, dass der 43-jährige Rhauderfehner in Menschen mit Migrationshintergrund und in Geflüchteten die Wurzel vieler Probleme in Deutschland sieht. Für seine Videos bekommt er Lob, aber auch Kritik. Nachdem Leserinnen und Leser uns auf die Videos angesprochen haben, haben wir das Gespräch mit Mirko Malec, der in Rhaudermoor ein Sport- und Fitnessstudio betreibt, gesucht. Unsere Fragen hat Malec schriftlich beantwortet. Die Fragen beziehen sich vor allem auf Aussagen, die Malec in verschiedenen Videos getätigt hat.

Mirko Malec im Interview

Lange haben Sie Content über Ihre Firma und Ihr Leben gemacht. Dann haben Sie angefangen, aktuelle Ereignisse in Ostfriesland, vor allem Kriminalität, zu kommentieren. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Mirko Malec: Als tief in Ostfriesland verwurzelter Unternehmer hat mich vor allem die Zunahme von Vorfällen in meiner direkten Heimat bewegt. Nachdem ich selbst Zeuge eines sexuellen Übergriffs wurde und eingreifen konnte, wurde mir klar, dass man über Sicherheitsaspekte nicht nur im Privaten sprechen darf. Mein Ziel ist es, denjenigen eine Stimme zu geben, die sich durch die aktuelle Politik nicht mehr ausreichend geschützt fühlen.

In einem Video sprechen Sie davon, dass Sie Begriffe nicht sagen dürfen, weil sonst der Staatsschutz vor der Tür steht. Was genau meinen Sie?

Malec: Diese Aussage war eine rhetorische Zuspitzung auf die aktuelle Debattenkultur in Deutschland. Viele Bürger haben heute das Gefühl, dass eine offene und kritische Benennung von offensichtlichen Problemen, insbesondere im Bereich der inneren Sicherheit, sofort gesellschaftlich sanktioniert oder in eine extremistische Ecke gerückt wird. Ich thematisiere hier die Sorge um die Meinungsfreiheit.

Was darf man Ihrer Meinung nach denn in Deutschland nicht mehr sagen?

Malec: Trotz formaler Meinungsfreiheit herrscht massiver Konformitätsdruck: Wer Probleme bei Migration oder Sicherheit anspricht, wird oft als ‚rechts‘ stigmatisiert. Dies verhindert sachliche Debatten aus Angst vor Ausgrenzung. Eine vitale Demokratie muss jedoch offene Kritik aushalten, ohne sie sofort zu moralisieren.

In Ihren Videos sagen Sie, dass „etwas“ in Deutschland gehörig schief läuft. Was genau meinen Sie?

Malec: Damit meine ich die wahrnehmbare Diskrepanz zwischen der politischen Rhetorik und der Lebensrealität der Menschen. Ob es die Überlastung der Kommunen durch Zuwanderung ist, die steigende Kriminalität oder der wirtschaftliche Druck auf den Mittelstand, viele haben das Gefühl, dass die Prioritäten in der Politik nicht mehr die Sorgen der Bürger widerspiegeln.

Sie sagten, in Zeitungsberichten zur Silvesternacht in Emden wurden „relevante Sachen weggelassen“. Wie ist das zu verstehen?

Malec: Mir ging es um die oft verzögerte oder unvollständige Nennung von Hintergründen zu Tätern oder zum exakten Hergang. Wenn Bürger vor Ort Dinge beobachten, die in der medialen Aufarbeitung am nächsten Tag fehlen, entsteht Misstrauen. Transparenz ist das einzige Mittel gegen Spekulationen.

Alle lokalen Medien haben über die Silvesternacht 2025/2026 am Neuen Markt in Emden in mehreren, ausführlichen Artikeln berichtet. Es wurden Konsequenzen wie ein Böllerverbot diskutiert. Was fehlt Ihnen denn?

Malec: Ein Böllerverbot bekämpft nur das Werkzeug, nicht die Verursacher. Es fehlt oft die klare Benennung von Täterprofilen, man muss Ross und Reiter nennen dürfen. Vage Umschreibungen aus politischer Korrektheit sorgen für Unmut. Nur durch eine realitätsnahe Beschreibung sind gezielte Maßnahmen möglich, statt die gesamte Bevölkerung durch pauschale Verbote in Mithaftung zu nehmen.

Sie sprechen auch davon, dass wir in Deutschland „die Kontrolle verlieren“. Was genau meinen Sie damit?

Malec: Ein Staat verliert die Kontrolle, wenn das Gewaltmonopol an öffentlichen Plätzen herausgefordert wird und sich Bürger nicht mehr uneingeschränkt sicher fühlen können. Wenn Angriffe auf Polizeibeamte und Rettungskräfte zum Alltag gehören, ist das ein alarmierendes Zeichen für einen schwindenden Respekt vor unserer Rechtsordnung.

Sie sprechen oft von „Zusammenhängen“, die man erkennen soll. Welche sind das?

Malec: Ich meine damit, dass man Kriminalitätsentwicklungen nicht isoliert betrachten darf. Wir müssen offen darüber diskutieren, wie ungesteuerte Zuwanderung und eine teils gescheiterte Integration die Sicherheitslage in unseren Städten beeinflussen können.

Sehen Sie das deutsche Sozialsystem als Hauptfaktor für Flucht an?

Malec: Unser Sozialsystem ist ein unbestreitbarer Pull-Faktor. Natürlich gibt es auch andere Gründe für Flucht, aber ein System, das umfassende Leistungen bietet, ohne dass eine sofortige Integration in den Arbeitsmarkt zwingend ist, wird international wahrgenommen. Das müssen wir als Gesellschaft offen ansprechen dürfen.

Warum thematisieren Sie vor allem Kriminalität im Kontext mit Migrationshintergrund?

Malec: Ich thematisiere das, was die Menschen bewegt und was die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) hergibt. Es wäre unaufrichtig, Probleme bei der Integration und deren Auswirkungen auf die Sicherheit zu verschweigen, nur um einer vermeintlichen politischen Korrektheit zu entsprechen.

Abgesehen davon, dass die Wirkung von Sozialsystemen als Pull-Faktor wissenschaftlich umstritten ist: Sie sagen, dass man Kriminalitätsentwicklung nicht isoliert betrachten darf. Gleichzeitig zielen Sie in Ihren Videos vor allem auf Migration als Grund für Entwicklungen ab und blenden alle anderen Faktoren völlig aus. Widersprechen Sie sich da nicht selbst und betreiben eine Art des „Racial Profilings“?

Malec: Problemlösungen erfordern eine präzise Benennung. Bei Migrationskriminalität geht es nicht um Herkunft, sondern um Faktoren wie Gewaltprägung und Perspektivlosigkeit, die laut PKS zur Überrepräsentation führen. Der Vorwurf des ‚Racial Profilings‘ verkennt, dass staatliche Daten die Grundlage bilden. Transparenz schützt rechtstreue Migranten vor Generalverdacht und ist die Voraussetzung für gezielte Prävention, Rechtsstaatlichkeit und eine ehrliche Integrationspolitik.

Sie schlagen vor, dass Geflüchtete als Erntehelfer eingesetzt werden. Was würde das ändern, wenn diese dennoch auf staatliche Hilfe angewiesen wären?

Malec: Es geht hier nicht nur um das Geld, sondern um das Prinzip der Gegenleistung und die Teilhabe an der Gesellschaft. Wenn junge, arbeitsfähige Menschen der Gemeinschaft etwas zurückgeben und gleichzeitig unsere Landwirte unterstützen, stärkt das den sozialen Zusammenhalt und die Akzeptanz des Sozialstaates bei den Beitragszahlern.

Sie fordern das aber nur für Menschen mit Migrationshintergrund. Warum nicht für Deutsche?

Malec: Arbeit ist weitaus mehr als eine fiskalische Entlastung, sie ist der zentrale Integrationsmotor. Erstens bietet sie Struktur und Sinn, was Frustration und Kriminalität vorbeugt. Zweitens stärkt ein sichtbarer Beitrag von Schutzsuchenden zum Gemeinwohl die gesellschaftliche Akzeptanz und baut Vorurteile ab. Drittens verringert Arbeit die Abhängigkeit und vermittelt Sprache sowie Arbeitswelt praxisnäher als theoretische Kurse. Fazit: Arbeit ist das effektivste Mittel gegen Isolation und für echte gesellschaftliche Teilhabe.

Sie behaupten oft, dass wichtige Sachen nicht in der Zeitung stehen würden…

Malec: Meine Aussage spiegelt die Wahrnehmung meiner Community wider. Oft erreichen mich Meldungen über Einbrüche oder Vorfälle aus erster Hand, bevor diese, wenn überhaupt, in der Lokalpresse auftauchen. Es geht um die gefühlte Informationslücke und die Priorisierung von Nachrichten aus Bürgersicht.

Ihnen ist bewusst, dass noch nie alle Einsätze der Polizei in der Zeitung gelandet sind und die Polizei auch noch nie zu jedem Einsatz eine Meldung geschrieben hat? Warum gibt es dann jetzt plötzlich eine „gefühlte“ Informationslücke?

Malec: Dank digitaler Vernetzung werden Polizeieinsätze heute sofort via Smartphone publik. Die ‚gefühlte Lücke‘ entsteht durch die Diskrepanz zwischen dieser Live-Wahrnehmung und einer zeitversetzten oder fehlenden Berichterstattung. Es geht nicht um Kritik an der Polizei, sondern um den Wunsch, dass die Lebensrealität und das Sicherheitsbedürfnis der Bürger in der Lokalpresse wieder mehr Raum finden.

Wieder in einem Video: Was meinen Sie damit, dass das Wort „Jugendbande“ „sehr viel“ beinhaltet?

Malec: Der Begriff wird oft als Verharmlosung für Gruppen genutzt, die mit hoher Gewaltbereitschaft und krimineller Energie agieren. Hinter dem Wort „Bande“ steckt oft eine Struktur, die weit über harmlose Jugendstreiche hinausgeht und unseren Rechtsstaat bewusst herausfordert.

Bei einem Fall aus Berumbur wurde erst nach langer Zeit nach einer mutmaßlichen Tat ein Zeugenaufruf durch die Polizei veröffentlicht. Sie sehen darin eine „Verarschung“ und implizieren ein bewusstes Verschweigen. Warum?

Malec: Als Bürger erwarte ich von den Behörden zeitnahe Informationen. Ich bin kein Ermittler, aber ich stelle Fragen. Eine Verzögerung wird von vielen Menschen als Versuch wahrgenommen, die Wogen flach zu halten oder Tatsachen erst dann zu präsentieren, wenn das öffentliche Interesse bereits nachgelassen hat. Das untergräbt das Vertrauen in die Institutionen.

[Anm. d. Red.: Am 12. Mai veröffentlichte die Polizei einen Zeugenaufruf zu einem Vorfall, der sich bereits im Februar ereignet hatte. Ein Mann soll von einer Gruppe Jugendlicher verprügelt worden sein. Nach dem Interview hat die Polizei gegenüber dieser Zeitung die starke zeitliche Verzögerung erklärt: Der ganze Vorfall wurde erst sehr spät angezeigt und das mutmaßliche Opfer konnte aus verschiedenen Gründen, die nicht im Einflussbereich der Polizei lagen, spät vernommen werden. Kurz nach Aufnahme des Sachverhalts wurde der Vorfall in Form der Pressemitteilung bekannt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand gibt es keine Hinweise darauf, dass die Jugendlichen Migrationshintergrund hatten.]

Sie behaupten in einem Video, dass Public Viewings zur WM aus Sicherheitsgründen abgesagt wurden. „Weil wir Angst haben, dass uns was passiert“: Wie erklären Sie sich, dass dennoch sehr viele Public Viewings stattfinden?

Malec: Es gab diverse Medienberichte über Veranstalter, die aufgrund der enorm gestiegenen Kosten für Sicherheitsauflagen und Security-Personal ihre Veranstaltungen abgesagt haben. Dass an großen Standorten wie dem Brandenburger Tor unter massivem Polizeischutz gefeiert wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die Unbeschwertheit früherer Jahre einer allgemeinen Sicherheitsanspannung gewichen ist.

Im gleichen Video fragen Sie, was für eine Welt wir unseren Kindern hinterlassen. Worüber machen Sie sich Sorgen?

Malec: Ich mache mir Sorgen, dass wir eine Welt hinterlassen, in der die innere Sicherheit nicht mehr garantiert ist, in der der Wohlstand durch falsche Weichenstellungen erodiert und in der man Angst haben muss, seine Meinung frei zu äußern. Ich möchte meinen Kindern ein sicheres und freiheitliches Deutschland hinterlassen.

Wie wählen Sie Themen aus und wie erklären Sie sich den Erfolg der Kriminalitätsvideos?

Malec: Die Themen ergeben sich aus dem aktuellen Geschehen und den zahlreichen Nachrichten meiner Zuschauer. Der Erfolg dieser Videos zeigt, dass ein riesiger Bedarf an einer ungeschminkten Aussprache von Problemen besteht, die in den traditionellen Medien oft nicht mit dieser Deutlichkeit benannt werden.

Sie haben jetzt Begriffe wie „ungesteuerte Zuwanderung“ und „traditionelle Medien“ genutzt. Das ist klassisch rechter Sprachgebrauch, gleichzeitig wollen Sie nicht in die rechte Ecke gedrängt werden. Wie passt das zusammen?

Malec: Ich nutze Begriffe wie ‚ungesteuerte Zuwanderung‘ oder ‚traditionelle Medien‘ als Beobachtung, nicht zur politischen Einordnung. Mir geht es um Probleme, wie viele sie vor Ort wahrnehmen: Mängel bei Grenz- oder Integrationsprozessen belasten die Sicherheit, den Zusammenhalt und kommunale Ressourcen. Diese Kritik ist problemorientiert und nicht pauschal abwertend gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Zugleich kritisiere ich, dass Teile der Medien Alltagserfahrungen oft nicht mehr ausreichend abbilden. ‚Traditionelle Medien‘ meint dabei Institutionen mit veränderten Prioritäten, kein Komplott gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen.

Ist Ihr Antrieb Reichweite oder ein anderes Anliegen?

Malec: Mein Antrieb ist die Sorge um unsere Gesellschaft und meine Heimat Ostfriesland. Reichweite hilft mir dabei, Gehör für diese Sorgen zu finden und eine Diskussion anzustoßen, die meiner Meinung nach dringend notwendig ist. Ich sehe mich als jemanden, der Dinge beim Namen nennt, die andere nur denken.

In der ersten Version dieses Artikels stand, dass Mirko Malec einen Jugendlichen vor einem sexuellen Übergriff bewahrt hatte. Das war ungenau ausgedrückt. Wir haben die entsprechende Stelle neu formuliert. Der Jugendliche hatte sich später erneut an Malec gewandt und von weiteren Missbrauchsvorfällen berichtet – nicht nur am See, sondern auch in der Wohnung des Mannes aus Ostrhauderfehn. Malec informierte nach eigenen Worten daraufhin ein weiteres Mal die Polizei. In der Folge wurden die Ermittlungen konkretisiert; im Dezember 2024 verurteilte das Landgericht Aurich den Täter zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten.

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