Was Sie heute wissen müssen

Prothesen-Freispruch | Doch Party am Hafen | Völlen gegen Veenhusen

Joachim Braun
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Von Joachim Braun
| 21.07.2021 06:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Am Ende war es ein kurzer Prozess - der mit einem Freispruch endete. Überregionale Schlagzeilen hatte vor Jahren schon der damalige Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Leer gemacht, als in 52 Fällen wegen Körperverletzung gegen ihn ermittelt worden war. Der Mediziner hatte seinen Patienten Bandscheibenprothesen aus Plastik eingesetzt, zuvor aber offenbar mit ihnen den Einsatz von Titan-Prothesen besprochen. Diesen für die Patienten so gravierenden Unterschied - die Kunststoffteile lösten sich nach einiger Zeit auf und mussten operativ entfernt werden - nannte der Gutachter für das Aufklärungsgespräch unerheblich. Überregionale Schlagzeilen machte gestern auch der Freispruch. Für die OZ berichtete Petra Herterich, die das Verfahren jetzt seit Jahren begleitet hat. Die Staatsanwaltschaft kündigte Berufung an.

Und was sagen die Opfer zu dem Freispruch? Nur sechs von ihnen hatte das Gericht angehört, bevor das Urteil gefällt wurde. Sechs von 52. Alle Zeugen hatten übereinstimmend erklärt: In den Aufklärungsgesprächen vor dem Eingriff seien ihnen immer nur Titan-Prothesen gezeigt worden – über ein Kunststoffmodell sei nie gesprochen worden. „Zum Kotzen“ nannte eines der Opfer das Urteil, berichtet Petra Herterich. Andere brechen in Tränen aus oder schütteln heftig den Kopf. Sie sind fassungslos. Da hilft es auch nichts, dass der Vorsitzende Richter noch mal betont: „Wir sehen auch das große Leid der betroffenen Patienten und ihrer Angehörigen.“ In ihrem Kommentar kritisiert Petra Herterich auch nicht das Urteil, sondern die zu laxen Regeln für die Aufklärungsgespräche zwischen Arzt und Patient.

Und noch ein umstrittenes Gerichtsurteil, über das ich allerdings schmunzeln muss: Das Verwaltungsgericht Oldenburg hat die Allgemeinverfügung der Stadt Leer mit dem Verbot der traditionellen Schuljahrsende-Party („School’s out“) am Hafen gekippt. Das Verbot sei nicht nur unverhältnismäßig, entschied das Gericht auch im Hinblick auf die gegenwärtige Inzidenz von 1,8, sondern auch noch viel zu spät erlassen worden. Die Stadt Leer begründet das Verbot unter anderem damit, dass es für die Traditionsparty keinen Veranstalter gebe, den man zu einem Hygienekonzept verpflichten könne. Nach der Niederlage vor Gericht setzt das Ordnungsamt heute auf eigene und polizeiliche Kontrollen. Jonas Bothe berichtet.

Tatsächlich gehen nun auch in Ostfriesland die Coronazahlen wieder hoch - kein Wunder bei der Nähe zu den Niederlanden, die im Bereich Groningen derzeit eine Inzidenz über 600 haben. Absolut sind die Zahlen extrem gering, aber eine Steigerung von elf auf 22 an nur einem Tag ist trotzdem eine Verdoppelung. Die meisten Infektionen gibt es derzeit im Kreis Aurich (10), die höchste Inzidenz hat Wittmund (5,3). Falls die vierte Welle kommt, ist entscheidend, dass möglichst viele Menschen geimpft sind. Der Landkreis Leer bietet von morgen. Donnerstag, bis Sonntag, jeweils von 15 bis 20 Uhr auf dem Parkplatz des „Multi Süd“-Markts eine Drive-in-Impfung ohne vorherige Terminvereinbarung an.

Neue Bauplätze sind knapp, die weitere Versiegelung von Boden ohnehin ökologisch ein Problem, darum setzen viele Kommunen inzwischen auf die Wohnraumverdichtung, als Lückenbebauung oder Aufstockung bestehender Gebäude. Dies geht aber auch nicht ohne Konflikte. Gordon Päschel hat exemplarisch mit dem 77-jährigen Meinhard Christians in Borssum gesprochen, der nun fürchten muss, dass er wegen der geplanten Aufstockung des ehemaligen Bunkers gegenüber mehrere Monate im Jahr keinen Sonnenschein mehr hat. Titel der Geschichte: „Irgendwie denkt man doch: Scheiße!“

Die Sport-Geschichte Ostfrieslands ist reich an kuriosen Ereignissen, über die immer wieder zu berichten lohnt. Und so passt die OZ-Sportredaktion darauf auf, keine relevanten Gedenktaten zu versäumen, wie den Meisterschaftskampf vor 60 Jahren in der 1. Fußball-Kreisklasse Leer - mit Wiederholungsspiel wegen eines Regelverstoßes, zwei Toren in zwei Minuten und den irren Kampf zwischen Völlen und Veenhusen. Marco Reemts hat mit alten Männern gesprochen, die damals junge Spieler waren und sich heute noch an fast alles erinnern.

Was Sie heute wissen sollten:

  • Die Stadt Leer wird sich in den nächsten zwei Jahren zwei Spielplätzen widmen. Die Politik weigert sich aber, 700.000 Euro für weitere Projekte freizugeben, bevor die Stadt keinen Fahrplan und keine Kostenschätzung vorgelegt hat. Katja Mielcarek berichtet.
  • Das Tierheim Jübberde wird gerade saniert. Unter anderem soll das Dach erneuert werden. Doch mitten in den Arbeiten sorgte der Starkregen für einen weiteren Schaden. Rieke Heinig berichtet.
  • Immer mehr Landwirte entdecken die Zucht seltener und bedrohter Nutztierrassen für sich. Jens Schönig fragt für die OZ-Serie „Land am Meer“ nach, was das eigentlich bringt. Und was sagen Tierschützer dazu?
  • Berenika Kucharek (28) fährt mit dem Rad durch Deutschland. Von Köln aus kam sie bis nach Hooksiel, wo sie als Aushilfs-Spukgespenst für fünf Tage Halt macht. Susanne Ullrich traf die junge Frau.
  • Hätten Sie gedacht, dass es allein in Emden 17 Spielhallen gibt? Die Zahl hat Mona Hanssen von der Stadt erfahren, in deren Haushaltskassen jährlich fast zwei Millionen Euro Vergnügungssteuer fließen. Welche Auswirkungen hat das neue Glücksspielgesetz?

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