Analyse

Das Schweigen der Verwaltung

| | 23.02.2022 11:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Verwaltung, so der Eindruck, redet nicht gerne über den Reparaturstau an der Grundschule in Jennelt. Symbolfoto: Wagenaar/Archiv
Die Verwaltung, so der Eindruck, redet nicht gerne über den Reparaturstau an der Grundschule in Jennelt. Symbolfoto: Wagenaar/Archiv
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Seit mehr als zehn Jahren häufen sich die Mängel an der Grundschule Jennelt. Die einfache Frage, was wann behoben wurde, wird nicht beantwortet. Die Verwaltung hüllt sich lieber in Schweigen.

Jennelt - Sieben Seiten umfasst die „Chronologie“ der Mängel an der Grundschule Jennelt, die Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn erstellt hat. Es geht um Schimmel, um Unfallverhütung – und um die offensichtliche Unzufriedenheit mit der Verwaltung der Gemeinde Krummhörn, die als Träger für die Grundschule zuständig ist.

Was und warum

Darum geht es: An der Grundschule Jennelt gibt es einen Reparaturstau, dessen Anfänge zum Teil zehn Jahre zurückliegen.

Vor allem interessant für: junge Familien; Eltern

Deshalb berichten wir: Wir wollten eigentlich eine Chronik erstellen, wann welche Reparatur an der Grundschule Jennelt durchgeführt wurde. Das erwies sich als schwierig, denn Antworten vom Schulträger gibt es nicht.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Die Liste, die unserer Zeitung vorliegt, ist der Versuch, nachzuvollziehen, was der Gemeinde durch die Schule wann gemeldet wurde und noch wichtiger: wann die Gemeinde welche Mängel behoben hat. Eine Frage, so müsste man meinen, die einfach zu beantworten ist. Dem ist aber nicht so, denn seitens des Schulträgers herrscht vor allem: Schweigen. Wie wir zu dieser Einschätzung gelangen, zeigen wir anhand einer Analyse. Bei einer Analyse handelt es sich – ähnlich wie bei einem Kommentar – um einen Meinungsbeitrag.

Reparaturstau besteht

Die Lage rund um die Grundschule Jennelt ist schwierig. Auf der einen Seite steht die Schule, die sich gerne weiter entwickeln möchte; die ihren Inklusionsschwerpunkt weiter ausbauen will, dabei aber an räumliche Grenzen stößt und mit der in die Jahre gekommenen Bausubstanz zu kämpfen hat. Auf dieser Seite geht es auch um die Eltern der Jennelter Grundschulkinder, die sich immer wieder positionieren und für einen Erhalt der Schule kämpfen. Denn, und damit geht es zur anderen Seite: Ob Politik und Verwaltung wirklich weiter den Grundschulstandort Jennelt erhalten möchten, darf immer mehr in Zweifel gezogen werden. Die einmütigen, parteiübergreifenden Stimmen zum Erhalt aller bisherigen Schulstandorte sind nämlich leiser geworden.

Das hat auch etwas mit Kosten zu tun: Ein Neubau würde laut Schätzung rund 8,3 Millionen Euro kosten, eine Kernsanierung rund 4,8 Millionen Euro. Diese Zahlen beruhen allerdings auf Schätzungen, die mittlerweile auch rund zwei Jahre alt sind. Ohne die grundlegende Entscheidung, ob saniert, neu gebaut oder gar geschlossen wird, wird die Gemeinde aber auch keine größeren Investitionen vornehmen. „In Jennelt hat es einen Reparaturstau gegeben, weil mit der politischen Diskussion über Neubau oder Sanierung des Standorts alle bis dahin bestehenden Planungen und die nach neueren Bestimmungen geforderten Umbauten auf ,Null gesetzt’ wurden, um unnötige Ausgaben im Sinne der sparsamen Haushaltsführung zu vermeiden“, so Gemeindesprecher Fritz Harders auf Nachfrage. Deshalb sei entschieden worden, „nur noch die unbedingt erforderlichen Mängel, die sich zum Teil auch aus neueren Sicherheitsbestimmungen ergeben, zu beheben“.

Verwaltung antwortet kaum

Doch wie genau sieht dieser Reparaturstau aus? Mehrfache Mails an die Verwaltung, sowohl unter Bürgermeister Frank Baumann als auch unter seiner Nachfolgerin Hilke Looden (parteilos) blieben in den vergangenen Monaten mehr oder weniger unbeantwortet. Es gab immer mal wieder Teilantworten, aber auf die Frage nach einer „Chronik“ der gemeldeten und behobenen Mängel hüllt sich die Verwaltung in Schweigen.

Der Grund dafür ist höchstens zu erahnen. An mangelnder Dokumentation kann es nicht liegen. Auf die Frage, ob nicht jeder Vorgang bezüglich der Grundschule Jennelt abgespeichert sein müsste, kam seitens der Verwaltung nur die Antwort: „Ja, das ist alles fein säuberlich in einem Vorgang niedergelegt.“ Eine Darlegung der genauen „Chronik“ erfolgte allerdings nicht.

Nur der Plan für die Sommerferien wird dargelegt: So sollen unter anderem Treppengeländer auf ein höheres Maß umgerüstet, einfache Zwischenverglasungen in Türen und Vitrinen durch bruchfestes Glas ersetzt, Räume durch die Reduzierung der Brandlast wieder zugänglich gemacht werden (verschiedene Räume mussten gesperrt werden, weil der Brandschutz nicht mehr gegeben war) – und es soll der Schimmelbefall in einem Materialraum behoben werden.

Dazu: „Im Lagerraum riecht es extrem muffig“; „der Lehrmittelraum soll auf Schimmelbefall geprüft werden“; „Schimmelpilzbefall im Medienraum“; „im Medienraum ist ein stark modriger Geruch festzustellen, obwohl der Putz der Wand saniert wurde“: Das sind nur ein paar der Einträge, die Lerche-Schaudinn bezüglich des Schimmelproblems zusammengestellt hat. Sie umfassen die Jahre 2011 bis 2017 – wirklich breit wird die Diskussion um die Grundschule Jennelt erst danach geführt.

Über Jahre bemängelt

Ähnlich wie bei der Mängelliste zum Thema Schimmel, die vor etwas mehr als zehn Jahren beginnt, verhält es sich auch bei anderen Mängeln. So habe es laut Lerche-Schaudinn neun Jahre gedauert, bis ein Notruftelefon in der Sporthalle eingebaut wurde (2011 bis 2020). Von den eigentlich gesperrten Räumen im Obergeschoss der Schule erfuhr diese auch nur durch Zufall im vergangenen Jahr – fast zwei Jahre nachdem die Brandschau die Sperrung der Räume veranlasste. Auch die Einfachverglasungen werden zum Teil seit 2011 bemängelt, passende Prallschutzwände in der Sporthalle seit vier Jahren.

Das, was die Gemeinde auf Nachfrage nun an Mängelbehebung angibt, dürfte in größten Teilen auf die jüngste Begehung des Schulgebäudes durch den Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover zurückgehen, die im November vergangenen Jahres stattfand. Die Begehung konzentrierte sich auf konkrete Unfallgefahren und Gefahren für die Gesundheit.

Auch Schulleitung bekommt kaum Infos

Gänzlich untätig war die Gemeinde auch bei den beschriebenen größeren Mängeln nicht. So wurden im vergangenen Jahr Fenster gereinigt und von Schimmel befreit, nachdem sich dieser nicht nur im Medienraum ausbreitete. „Eine Ursachenforschung wurde nicht betrieben“, so die Schulleiterin. Und auch in den kommenden Sommerferien soll wieder gearbeitet werden.

Doch warum schweigt die Gemeinde oder ist auf Nachfrage zumindest oft sehr schmallippig, wenn es um die Grundschule Jennelt geht? Das noch offene Ergebnis der Bedarfsanalyse kann es nicht sein, die ist schließlich nur das jüngste Kapitel in der Diskussion um die Zukunft der Grundschule. Die Untätigkeit, die sowohl Schule als auch Elternschaft immer wieder anprangern, begann schon deutlich vorher. Dabei hält sich die Gemeinde nicht nur gegenüber der Presse mit Auskünften zu Mängeln, die offenbar ja alle erfasst wurden, zurück. Auch die Schulleitung kritisierte immer wieder eine mangelnde Rückmelde- und Informationspolitik, wenn es um ihre Anliegen geht.

Wird das Problem einfach ausgesessen? Auffällig ist, dass viele Maßnahmen an der Grundschule Jennelt sehr lange dauern, bis sie in Angriff genommen werden (ein Treppenlift für eine Schülerin wurde angeschafft, als diese die Grundschule schon fast beendet hat) und auch wichtige Informationen an die Schule (Sperrung von Räumen) schlicht nicht weitergegeben wurden.

Schulleitung und Kollegium befürchten angesichts dieser „Verschleppungstaktik“, dass die Schließung des Grundschulstandortes nicht mehr abzuwenden sein wird. Das wird in Gesprächen immer wieder deutlich. Wirklich verwundern muss das nicht.

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