Was Sie heute wissen müssen Pfusch bei Glasfaser-Ausbau? | Gift auf Kickers-Sportplatz? | Bauhof schuld an Rehkitz-Tod?

Eine Kolumne von Carmen Leonhard
 | 23.06.2022 06:26 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
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Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Die „digitale Zukunft“, so verspricht es der Prospekt, wird bald auch in meinen Haushalt einziehen. Die beharrliche Werbekampagne in meinem Dorf zeigt Wirkung: Auch ich habe mich für einen Glasfaseranschluss entschieden. „Wir wollen den digitalen Aufbruch für Deutschland“, hatte Digital- und Verkehrsminister Volker Wissing von der FDP im Frühjahr verkündet. Dringender Handlungsbedarf ist gegeben, wie wir in Ostfriesland nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie wissen. Schnelle Glasfaseranschlüsse sind bisher eher die Ausnahme als die Regel. Laut Bundesnetzagentur lag der Anteil bei Jahresbeginn bei nur etwa einem Fünftel der Haushalte. Wissing peilt für 2025 das Knacken der 50-Prozent-Marke an, fünf Jahre später sollen die leistungsfähigen und schnellen Glasfaseranschlüsse dann für jeden Haushalt verfügbar sein. Ein ehrgeiziges Ziel. Dass Druck auf dem Kessel ist, sieht man an den Kampagnen in vielen Gemeinden der Region, in denen Anbieter jetzt um Kunden werben. Wie sie das tun, ist eine eigene Geschichte: Zuweilen treten die Werber an den Haustüren aufdringlich und aggressiv auf. Mich hat das auch sehr abgeschreckt. Ich kann mir vorstellen, dass Mitmenschen von einem solchen Verhalten eingeschüchtert werden und einen Vertrag abschließen, den sie eigentlich gar nicht benötigen. Meine Kollegin Vera Vogt hat vor einiger Zeit nach Leserbeschwerden aus Stadt und Landkreis Leer darüber berichtet und gibt in ihrem Artikel auch Tipps, wie man mit solchen Situationen umgeht. Damit Sie im Bedarfsfall nicht im Archiv suchen müssen, verlinke ich ihn direkt mal hier. 

In den Worten Wissings und den Werbeprospekten klingt das mit dem Glasfaseranschluss alles ganz toll. Wie so häufig sieht die Realität aber doch anders aus. Die Bauindustriebranche warnt vor Pfusch und Schlamperei beim Ausbau des Netzes sowie vor möglichen Folgekosten in Milliardenhöhe. In die Recherche zu dem Thema ist mein Kollege Ole Cordsen vor einigen Wochen eingestiegen. Und zwei Vorfälle aus Südbrookmerland in den letzten Tagen passen genau in das Bild, das sich da abzeichnet: Erst wurde in Moordorf eine Hauptversorgungsleitung der EWE demoliert , betroffen waren Rathaus, Polizei und hunderte Haushalte. Dann traf es rund 30 Haushalte in Engerhafe , die plötzlich von der Gasversorgung gekappt waren. „Die Zahl der Fälle von Pfusch und Schlamperei bei der Breitband-Verkabelung steigt“, sagt Jörn P. Makko, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Niedersachsen-Bremen. Brancheninsider prangern einen unfairen Wettbewerb an und ein System, in dem Subunternehmer-Trupps aus Südosteuropa unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen eingesetzt werden. Kollegen und Informanten, die mit den Arbeitern sprechen wollten, scheiterten in der Regel an der sprachlichen Barriere. Thomas Erdwiens (FWG), Bürgermeister der Gemeinde Südbrookmerland, hat Ole Cordsen seine Beobachtungen geschildert: „Man sieht die Trupps ganz früh morgens, am Abend arbeiten sie oft immer noch, und man sieht sie regelmäßig auch am Wochenende.“ Die Bauindustriebranche beklagt, dass gegen „alle Regeln“ verstoßen werde, um den Glasfaserausbau voranzutreiben. Arbeitsschutz und Sicherheitsvorgaben stören da offenbar nur. „Und die Verantwortlichen schauen immer wieder weg“, so Susanne Hake, Leiterin Energie und Breitband im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Hier lesen Sie die ganze Geschichte von Ole Cordsen . Er wird das Thema weiter verfolgen. Wenn bei Ihnen schon der Ausbau läuft, gucken Sie mal genau hin, unter welchen Bedingungen da vor ihrer Haustür an unserer digitalen Zukunft gearbeitet wird. 

Kaum ein Tag ohne Verkehrsthema aus Leer. Diesmal geht es um die Ledastraße, genau, das ist die Straße mit den rumpeligen Schwellen und der Wasserrinne. Eigentlich ist sie eine Durchgangsstraße, doch jetzt soll sie zu einem „Ort der Begegnung“ werden, wie meine Kollegin Katja Mielcarek es beschreibt. Verwaltung und Politik wollen den Autoverkehr zwar nicht radikal aussperren, aber doch deutlich stärker ausbremsen, um das Potenzial dieser Fläche mit Nähe zum Wasser besser nutzen zu können. Was geplant ist und wie das bezahlt werden soll, lesen Sie hier.

Für Gesprächsstoff in der Ledastadt sorgt zurzeit die Sportanlage von Kickers Leer. „Wo vor Kurzem noch Rasen war, ist nun nur noch Erde mit tiefen Reifenabdrücken von großen Maschinen“, beschreibt mein Kollege Michael Kierstein das Szenario. Erst sei das Grün in kürzester Zeit braun geworden und nun komplett verschwunden. Was ist da passiert? Wilde Spekulationen kursieren, von einem Gifteinsatz ist die Rede. Eigentümerin ist die Stadt, Pächter der Verein. Was die beiden Parteien dazu sagen und was die Landwirtschaftskammer jetzt mit all dem zu tun hat, erfahren Sie in diesem Beitrag . Und wo wir gerade bei Kickers sind, ein Blick zu denen in Emden: Dort war gestern Abend Trainingsauftakt und es wurden wichtige personelle Weichenstellungen verkündet. Niklas Homes und Sören Siemens berichten.

Die Warn-App auf meinem Handy zeigt einen tiefroten Corona-Alarm, fast täglich erkrankt jemand im Freundes- oder Kollegenkreis, andere plagen sich mit Langzeit-Folgen ihrer Erkrankung, nein, die Pandemie ist wirklich noch nicht vorbei. Angesichts des weiter hohen Infektionsgeschehens hat die Landesregierung in Hannover nun eine Verlängerung der Corona-Verordnung verkündet. Bis Ende August soll an den bisherigen Schutzmaßnahmen im Kampf gegen Covid-19 festgehalten werden. Aber welche sind denn das eigentlich noch und wer ist betroffen? Mein Kollege Martin Alberts informiert darüber hier. Falls dieses oder ein anderes Virus Sie erwischt hat, reicht es nicht mehr aus, dem Hausarzt am Telefon etwas vorzuhusten. Die Krankschreibung per Telefon für leichte Erkrankungen der oberen Atemwege wurde inzwischen abgeschafft. Mit der Sonderregelung sollten Arztpraxen und Patienten entlastet werden. Hat sich das bewährt oder wurde das von arbeitsunwilligen Zeitgenossen missbraucht? Wie ist die Lage derzeit in den Praxen, wo doch wieder mehr Menschen an Corona erkranken? Das hat mein Kollege Jens Schönig in Erfahrung gebracht. 

Entsetzliche Bilder hat sich meine Kollegin Geertje Wehry ansehen müssen. Darauf zu sehen waren die teils blutigen Überreste von Igeln, Hasen und zwei Rehkitzen. Der schreckliche Vorwurf: Sie sollen beim Mähen einer Streuobstwiese hinter der Kinderkrippe in Steenfelde getötet worden sein. Anwohner hatten die Jäger Toni Boyken und Enno Coners deswegen alarmiert. „Unter dem Zaun zur Kita lagen noch die Läufe des einen Kitzes“, so Coners. Die Jäger haben ihre schrecklichen Funde fotografiert. Verantwortlich für die Mäh-Aktion zeichnet die Gemeinde Westoverledingen, deren Bauhof dort im Einsatz war. Was aus dem Rathaus zu dem Vorfall zu hören war, lesen Sie hier . Ich kann Sie beruhigen: Blutige Überreste der Tiere sehen Sie in dem Beitrag nicht. Wohl aber wollige Fellbüschel der Kitze, die noch auf der Wiese liegen. Die Jäger sind erschüttert. Die Polizei hat ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.

Was heute wichtig wird:

  • Die Staatsanwaltschaft Aurich legt einer heute 37 Jahre alten Frau aus Aurich eine besonders schwere Zwangsprostitution und Zuhälterei zur Last. Heute beginnt der Prozess. Oliver Bär ist dabei.
  • Bauprojekte im Rheiderland können wegen steigernder Preise nicht mehr umgesetzt werden. Was steht auf der Kippe und was passiert mit den Förderungen? Tatjana Gettkowski hat nachgefragt.
  • Ein Emder IT-Unternehmen greift Schulen bei der Digitalisierung unter die Arme und wirkt daran mit, wenn jetzt wieder die Zeugnisse geschrieben werden. Mehr als 500 Schulen in Deutschland nutzen die Software aus Emden. Stephanie Tomé berichtet.
  • Sigrid Griesel, ehemalige Bürgermeisterin von Aurich, hat immer vor dem jetzigen Finanzkollaps der Stadt gewarnt. Wie fühlt es sich an, recht gehabt zu haben? Und wie geht es ihr heute? Marion Luppen besucht sie zu Hause.
  • Die Verkehrssituation rund um die KGS Wiesmoor ist seit vielen Jahren ein Thema. Nun soll es ein Verkehrskonzept geben. Was wird aus den Elterntaxis und kommen die Radfahrer jetzt sicherer zur Schule? Jens Schönig sucht nach Antworten auf diese Fragen.
  • Das Mittelalter war eine in Teilen düstere Epoche, geprägt von Kriegen und Hungersnöten, von der Pest und der Unfreiheit der Menschen. Was also fasziniert heute Erwachsene wie Kinder gleichermaßen an dieser Zeit? Bei der Burg in Stickhausen erfährt man das an diesem Wochenende. Christine Schneider-Berents berichtet.
  • 80 Millionen Menschen fliehen weltweit vor Krieg, Hunger, Klimakatastrophen. In Emden haben fünf Frauen und ein Mann der Flucht ein Gesicht gegeben - und ihre ganz persönlichen Geschichten erzählt. Mona Hanssen hat ihnen im Kulturbunker zugehört.