Was Sie heute wissen müssen Pflegekräfte gesucht | Klamotten direkt Abfall | Emmerling versöhnlich
Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.
Politik ist die Kunst des Machbaren, heißt es. Stimmt manchmal, oft auch nicht. Es klingt ja tatsächlich richtig gut, dass die Bundesregierung beschlossen hat, Deutschlands Kliniken zur Beschäftigung von genügend, nein, viel mehr Pflegepersonal zu verpflichten. Schließlich wird der Mangel an Fachkräften in diesem Bereich seit vielen Jahren beklagt. Aber einfach so eine Anforderung formulieren und bei Nichterfüllung Sanktionen anzudrohen, ohne die Rahmenbedingungen zu verändern, das kann nicht funktionieren. „Wenn Sie mir morgen zehn Vollzeitkräfte für die Pflege bringen, stelle ich die alle ein; aber meine Nachbarn auch. Der Markt ist leer“, sagt Ralf Benninghoff, Geschäftsführer des Wittmunder Krankenhauses, im Gespräch mit Petra Herterich.
Wir leben in einer merkwürdigen Gesellschaft. Wir wollen auf nichts verzichten. Wir wollen, dass der Staat bei Naturkatastrophen möglichst unsere Probleme löst. Auf der anderen Seite sind wir, siehe Ukraine-Flüchtlinge, ungeheuer solidarisch mit Menschen, denen es schlechter geht. Und wir wollen Perfektion. Selbst wenn es um neues Leben geht. Seit Anfang dieses Monats bezahlen gesetzliche Krankenkassen Nichtinvasive Pränataltests (NIPT). Damit können schon in einem frühen Stadium des Embryos genetische Veränderungen, etwa Trisomie 21, diagnostiziert werden. Fluch und Segen zugleich. Denn ein Befund stellt werdende Eltern vor extrem schwierige Entscheidungen, wie Stephanie Tomé, selbst Mutter von zwei Kindern, schreibt. Deshalb ist es dem Pränataldiagnostiker Dr. Frank Wollenhaupt aus Veenhusen wichtig, diese Untersuchungen nicht als Standardtest zu sehen. Dass ein behindertes Kind seiner Familie viel Freude bringt, hatte Stephanie schon bei ihrem Besuch bei Familie Haake in Hage feststellen können.
Was wir auch tun, ist konsumieren ohne nachzudenken, welche Folgen das für unsere Zukunft hat. Beispiel Klamottenkauf. Die Textilindustrie gehört weltweit zu den größten Klimasündern. Da Folgekosten nicht von den Verursachern bezahlt werden, ist Kleidung billiger denn je, mit der Folge, dass jedes fünfte in Deutschland gekaufte Kleidungsstück nie getragen wird und irgendwann entsorgt wird. Es geht um immerhin eine Milliarde Kleidungsstücke. Julia Jacobs hat sich für unsere Klimaserie mit dem Thema befasst und hat auch einen Expertentipp: „Man sollte Impulskäufe vermeiden. Impulskäufe sind Lusterlebnisse. Wir denken, wir müssen uns belohnen mit Sachen, die wir eigentlich gar nicht brauchen.“
Im Kampf gegen die Klimakrise sind wir angehalten weniger Ressourcen zu verbrauchen, aber auch - die Erwärmung läuft ja längst - mit hohem finanziellen Aufwand unsere Siedlungen vor Überschwemmungen zu schützen. Die Stadtwerke Leer reagieren jetzt darauf und haben einen Mitarbeiter extra dafür abgestellt, die Stadt und ihre Bürger fit zu machen für das, was da an Starkregenereignissen auf uns zukommt. Burkhard Wilts äußert im Gespräch mit Katja Mielcarek viele Ideen: Die Kanäle müssten vergrößert werden, mehr Raum geschaffen werden, wohin Regenwasser geleitet werden könne, das nicht abfließen könne. Und dort, wo es gehe, solle Versiegelung rückgängig gemacht werden und mehr Grün in die Stadt geholt werden. Klingt alles irgendwie bekannt, muss aber erst mal gemanagt (und finanziert) werden.
Hoch sind die Kosten aber dafür, dass die steigende Nordsee nicht unser schönes Ostfriesland einfach unter Wasser setzt. Dabei geht es um mehr als darum, bestehende Deiche zu erhöhen und neue zu bauen. Auch die Entwässerung muss sichergestellt bleiben - ein Thema, das wir aufgrund seiner Dringlichkeit immer wieder behandeln. So muss nun das Neue Greetsieler Sieltief ausgebaggert werden. Es verbindet die Mündungsschöpfwerke Greetsiel und Knock miteinander und ist schon ziemlich verschlammt. Michael Hillebrand hat sich die Planungen des Ersten Entwässerungsverbands Emden angesehen.
Was ist mit Kickers Emden los? Diese Frage stellten sich in Fußball-Ostfriesland in den vergangenen 14 Tagen viele. Die missglückte Verpflichtung eines nicht benötigten Sportdirektors verärgerte viele Fans, vor allem aber Erfolgstrainer Stefan Emmerling. Im Gespräch mit OZ-Sportchef Matthias Herzog ist er nun auf Versöhnung aus. Zwischen den Zeilen liest man aber auch andere Gefühle heraus.
Zum Schluss noch eine Kuriosität aus dem benachbarten Ammerland. Dass der Kreisligist SV Harkebrügge (Gemeinde Barßel) im Testspiel bei der SG Halsbek (3. Kreisklasse Ammerland) mit 18:0 gewonnen hat, deutet auf einen Klassenunterschied. Tatsächlich für Furore sorgte aber Neuzugang Hani Hassan, der aus der Bezirksliga (SV Thüle) nach Harkebrügge gewechselt war. Der 29-jährige Kripobeamte aus Cloppenburg schoss scharf und erzielte zehn Tore - bis er sich auswechseln ließ. Georg Lilienthal berichtet.
Was heute wichtig wird:
- Photovoltaik, Windräder, Wasserstoff: In Jemgum will man wissen, wie man die Erneuerbaren ausbauen und nutzen könnte. Vera Vogt hat sich mit Bürgermeister Hans-Peter Heikens getroffen.
- Laut Statistischem Bundesamt ist die Gemeinde Moormerland schuldenfrei. Wie kann das sein? Der Bürgermeister bestätigt, dass es stimmt. Karin Lüppen hat mit ihm gesprochen.
- Unsere Wittmunder Kollegin Susanne Ulrich erlebt ihren ganz eigenen Insel-Krimi: Für eine Reportage begab sie sich auf Streife mit einem Inselpolizisten auf Spiekeroog.
- Gibt es etwas Schöneres als Chormusik? Gleichwohl haben Männerchöre in Ostfriesland akute Nachwuchssorgen. Pfeifen die Chöre schon auf dem letzten Loch, fragt Jens Schönig?
- Das Sammelfieber geht wieder um: Ottifanten-Sammelfiguren bekommt man nun in Edeka-Märkten. Aber warum sind die Elefanten von Otto Waalkes so beliebt? Dorothee Hoppe hat nachgefragt.
- An diesem Dienstag kommen die Treppen für das Emder Festspielhaus am Wall in einem Stück ins Gebäude. Mona Hanssen guckt sich das genauer an und wirft einen Blick auf die Baustelle.