Was Sie heute wissen müssen
Corona im Kino | Ostfriesen im Katastrophengebiet | Saboteure im Hafen
Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.
Vor ein paar Wochen konnten wir uns noch freuen, dass die Pandemie vorbei sei. Aber jetzt passiert, was die meisten Experten vorausgesagt hatten. Die Delta-Variante breitet sich aus und damit steigen die Infektionszahlen in Ostfriesland. Zwar weiter auf niedrigem Niveau, aber wie schnell sind das ändern kann, was exponentielles Wachstum heißt, haben wir ja inzwischen drei Mal erfahren dürfen.
Vergangene Woche gab es gerade in sozialen Netzwerken viel Kritik an einem jungen Mann aus Norden, der trotz eines positiven Schnelltests (und mehrerer negativer) zum Feiern in die Disco Galaxy nach Georgsheil gefahren war. Vorigen Sonntag nun waren, wie man jetzt weiß, drei infizierte Gäste in der Nachmittagsvorstellung des Auricher Kinos, beim Autorennen-Kultklassiker „Fast & Furious 9“ im Kinosaal 6. Nun bemüht sich das Gesundheitsamt alle Kontakte nachzuverfolgen. Was schwierig ist. 20 Kinobesucher wurden inzwischen in Quarantäne geschickt, bei weiteren 140 ist aufgrund eines Buchungsfehlers nur die E-Mail-Adresse bekannt. Und wenn die Leute auf eine Mail von der Behörde nicht reagieren, wird es schwierig. Marion Luppen fasst die Probleme zusammen.
Kontaktnachverfolgung war eines der ersten Wörter, die wir normalen Menschen im März 2020 zu Beginn der Pandemie gelernt haben. Wir wissen, dass die Gesundheitsämter alles tun, um jene Menschen, die mit Infizierten in Kontakt waren, zu ermitteln und gegebenenfalls vorbeugend in häusliche Quarantäne zu schicken. Aber wie funktioniert das genau mit der Kontaktverfolgung? Wie kompliziert ist das eigentlich? Und wo sind die Grenzen dieses Verfahrens? Das Wittmunder Gesundheitsamt ermöglichte unserer Kollegin Imke Oltmanns am Mittwoch erstmals einen Einblick in die Arbeitsweise der Behörde. Anhand eines fiktiven Falls wurde die Kontaktnachverfolgung demonstriert. Spannend und aufschlussreich!
„Einfach nur helfen“, das ist das Ziel eines 70 Fahrzeuge zählenden Konvois, der am Donnerstag in aller Herrgottsfrüh in Ostfriesland mit Helfern und Hilfsgütern für die Hochwasseropfer im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz aufgebrochen ist. Sie haben alles dabei, was knapp sein könnte: Von Futterheu für die Tiere bis zu Pampers, Reinigungsmitteln und einer Schubkarre aus dem Garten der Kollegin Nina Harms. Katja Mielcarek war frühmorgens am Ems-Park dabei, wo sich der Konvoi eigentlich sammeln wollte, aber aufgrund der Vielzahl der Teilnehmer doch vorbeifuhr. Was für ein großartiger Akt der Solidarität mit jenen Mitbürgern, die gerade alles verloren haben.
Was die Menschen in den Katastrophengebieten gerade am dringendsten benötigen, darüber weiß Lucy May Weidhüner aus Sedelsberg im Saterland genau Bescheid. Sie ist am Mittwoch ebenfalls zum Helfen in den Landkreis Ahrweiler gefahren. Ihre ersten Eindrücke schilderte die 28-Jährige im Gespräch mit Steffen Busemann: „Eine ganze Innenstadt wirkte wie ein einziger Rohbau, keine Fenster, keine Türen – nichts, was noch nach Leben und Normalität aussah. Die Anwohner stehen dazwischen, dreckig von oben bis unten. Sie umarmen einander, sind so müde und erschöpft, aber dennoch herzlich und freundlich.“ Gummistiefel sind Mangelware, an Schaufeln und Hochdruckreinigern fehlt es auch.
Viele, die ebenfalls helfen möchten, haben allerdings weder die Zeit noch die Möglichkeit, mal eben persönlich im Katastrophengebiet Hand anzulegen. Sie können natürlich mit Geld helfen. Gestern haben wir die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Aachener Zeitung fix gemacht. Wir öffnen unsere Spendenkonten bei der Aktion „Ein Herz für Ostfriesland“. Die Kollegen vor Ort werden uns bei der Suche nach konkreten Aktionen, die Unterstützung brauchen, helfen. Hannah Weiden kümmert sich für die OZ. Nähere Informationen finden Sie vermutlich heute Abend auf unserer Webseite und anschließend dann in E-Paper und Zeitung.
Emotional, wenn auch natürlich auf eine ganz andere Weise, sind für viele Menschen Museumsschiffe. Der Anschlag auf das ehemalige Feuerschiff „Deutsche Bucht“, das ein Wahrzeichen im Emder Hafen ist, beunruhigte sehr viele Menschen. Die Suche nach den mutmaßlichen Tätern ist offenbar kompliziert, jedenfalls sagt die Polizei nichts zu etwaigen Ermittlungsergebnissen. Dabei sind, wie Mona Hanssen recherchiert hat, solche sinnlosen Sachbeschädigungen gar nicht selten. Im Rotterdamer Hafen wurde die „Elbe“ 2004 sogar vor den Augen des zuständigen Betreuers versenkt.
Das Schlimmste, was Eltern passieren kann, ist, ihr Kind zu verlieren. Zehn Jahre nach dem Tod ihres einzigen Sohnes, damals 21 Jahre alt, hat Karola Boes eine Traueranzeige geschaltet. Gordon Päschel, Reporter in Emden und Vater von zwei Kindern, las diese Anzeige und fragte bei Karola Boes nach, ob sie bereit sei, über ihren Verlust und die Trauer zu sprechen. Das war sie. Ihr Sohn ist ihr immer noch präsent. Unterstützung findet sie bei der Familie. Doris Greve und Silke van Ophuysen haben eine Ahnung davon, wie es Karola Boes geht. Sie arbeiten ehrenamtlich für die Hospiz-Initiative in Leer: Trauer, sagen sie, sei „Schwerstarbeit“.
Was Sie heute wissen sollten:
- Der Wochenmarkt in Warsingsfehn ist über die Jahre geschrumpft. Die Gemeinde will jetzt einen neuen Anlauf nehmen. Karin Lüppen berichtet auch, wie es sonst im Landkreis Leer um die Wochenmärkte bestellt ist.
- Die Corona-Zahlen in den Niederlanden sind stark gestiegen. Ab heute könnte das Nachbarland als Hochrisikogebiet eingestuft werden. Aber was sind derzeit eigentlich die Regeln für Pendler, Tagesgäste und Urlauber? Vera Vogt hat nachgefragt.
- Die Auricher SPD kritisiert Verwaltung und Politik: Sie sollen Fachbereichsleiterin Irina Krantz aus dem Rathaus vergrault haben. Die hat bekanntlich als Stadtbaurätin in Emden angeheuert. Gabriele Boschbach berichtet aus dem Intrigantenstadl.
- Beim Automobilzulieferer Linde und Wiemann geht es seit Monaten rund. Nun wird in Georgsheil gestreikt. Der Standort soll geschlossen werden. Marion Luppen schaut sich vor Ort um und erklärt, worum es geht.
- Wer auf einer Ostfriesischen Insel Urlaub machen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Oder vielleicht auch nicht? Mona Hanssen hat recherchiert, wie man halbwegs preisgünstig zwischen Borkum und Wangerooge Urlaub machen kann.
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